Illustration: Fatih Aydogdu

Wie Amazon zum Angriff auf Google bläst

7. Dezember 2017, 07:00

Die IT-Giganten Amazon und Google geraten zusehends aneinander. Auslöser des Streits ist die Expansion des Onlinehändlers, sagen Experten

Wien – Wenn Alexa etwas nicht gefällt, dann kann sie sich schon mal dumm stellen. So war das anfangs auch im Fall von Google. Eine Zeitlang wusste Alexa, Amazons Audiogerät zur digitalen Steuerung im Haushalt, nicht, was Google ist. Wer sie nach ausgefallenen Rezepten, Büchern oder Musikgruppen fragte, bekam detaillierte Antworten. "Das weiß ich leider nicht", lautete dagegen ihre knappe Replik auf die Frage, was denn eigentlich Google sei. Inzwischen hat Alexa dazugelernt.

Der Konkurrenz zwischen Google und Amazon tut das keinen Abbruch. Im Gegenteil, die Rivalität wird verbissener.

Am Dienstagabend, also inmitten des Weihnachtsgeschäftes, hat Google angekündigt, seine Videoplattform Youtube auf zwei Amazon-Geräten nicht länger anzubieten. Konkret wird der Zugriff auf die Youtube-App über Fire TV und Echo Show gesperrt.

Fire-TV ist ein Angebot von Amazon, bei dem Kunden diverse Programminhalte, unter anderem von Fernsehsendern, streamen können. Echo-TV ist ein Zusatzprodukt zu Alexa. Auf einem eigenen Bildschirm kann Alexa Videos anzeigen.

Alexa-Konkurrent nicht im Angebot

Der Konflikt zwischen den beiden IT-Unternehmen Google und Amazon schwelt seit Monaten. Schon im September hatte Google das erste Mal Youtube für bestimmte Amazon-Produkte gesperrt. Argumentiert wurde damals wie heute, dass Youtube auf Echo-TV und via Fire-Stick nicht richtig dargestellt werde, die Kunden also einen schlechten Eindruck bekämen.

Google kritisiert zudem, dass bestimmte seiner Produkte via Amazon nicht angeboten werden. Darunter befinden sich Überwachungskameras und Rauchmelder von Nest. Das Unternehmen gehört wie Google zum Alphabet-Konzern. Aber auch Google Home, das Konkurrenzprodukt zu Alexa, ist betroffen. Wer auf Amazon nach Google Home sucht, wird auf Alexa umgeleitet.

Analysten sehen die zunehmende Konkurrenz der beiden Unternehmen in immer mehr Geschäftsfeldern als Ursache für die Streitereien. Der Konflikt dürfte sich dabei weiter zuspitzen, weil Amazon stetig in neue Geschäftsfelder expandiert.

Produktsuche bei Amazon

Google ist zwar mit Abstand die größte Internetsuchmaschine. Eine Studie von Raymond James, einem US-Finanzdienstleister, hat Anfang des Jahres aber gezeigt, dass mehr als 50 Prozent der US-Amerikaner als Erstes Amazon nutzen, wenn sie im Internet nach Produkten suchen. Googles Anteile liegen bei unter 30 Prozent. Der Unterschied ist umso markanter, je jünger die Befragten waren.

·Seine Präsenz nutzt Amazon zudem, um Werbekunden anzuziehen. Die Amazon Media Group expandiert rasant, heuer wird ein Umsatzplus von 30 Prozent erwartet. Die Werbeumsätze von Amazon sind deutlich kleiner als jene von Facebook und Google.

Doch in den vergangenen Monaten hat das von Jeff Bezos geleitete Unternehmen eine Reihe neuer Werbemöglichkeiten entwickelt. Zudem hat das Portal einen Vorteil: Auf Amazon suchen Kunden nicht nur nach Produkten, sie kaufen sie auch. Das Kundenverhalten lässt sich detailliert für Werbezwecke auswerten.

70 Prozent Marktanteil

Bei Audiogeräten ist Amazon Marktführer vor Google Home. Laut einer Analyse der Bank Morgan Stanley haben acht Prozent der US-Haushalte Alexa, was 70 Prozent Audio-Marktanteil entspricht.

Scott Galloway, Marketingexperte an der New York University Stern School of Business, sagte dem STANDARD, dass Amazon eine starke Präsenz in derart vielen Geschäftsfeldern hat, dass das Unternehmen Google und in der Folge auch Facebook und sogar Apple in Bedrängnis bringen werde. Amazon werde seine Marktanteile auf Kosten der übrigen IT-Player erweitern und irgendwann die Internetinfrastruktur kontrollieren.

Das könnte den Aktionären den Appetit auf Unternehmen wie Google und Facebook verderben und den Hype um diese Unternehmen beenden, so Galloway.

Kunden haben vom Streit Amazon gegen Google übrigens nur Nachteile, weil die gegenseitige Blockade von Diensten die Auswahlmöglichkeiten einschränkt. (András Szigetvari, 7.12.2017)