Foto: Joe Klementovitch

Experiment: Baumvereisung für die Klimawandelforschung

7. Dezember 2017, 12:44

Laut Prognosen werden Eisregen und Eisstürme in den USA künftig häufiger auftreten. Forscher simulieren die Folgen für Wälder in einem Experiment

Concord – US-Forscher haben ein Waldstück in New Hampshire in einen Eiswald verwandelt, um Auswirkungen des Klimawandels zu untersuchen. Mit Feuerwehrschläuchen rückten sie bei Minustemperaturen in ein über 3.000 Hektar großes Forschungsareal in den White Mountains aus und simulierten einen heftigen Eisregen. Von ihrem Experiment berichteten sie auf einer Konferenz der US-Gesellschaft für Agrarkunde.

Bei Eisregen oder mit Wind einhergehenden Eisstürmen gefriert fallender Regen in Bodennähe in kürzester Zeit. Er überzieht Bäume mit einer bis zu mehrere Zentimeter dicken Eisschicht. Unter dieser Last brechen regelmäßig Bäume oder Strommasten zusammen, fallen auf Häuser oder Autos und richten großen Schaden an.

In den USA, wo die von Nord nach Süd verlaufenden Gebirgszüge kalter Polarluft keinen Einhalt gebieten, ist das Phänomen häufiger als in Europa. Klimaexperten glauben, dass starke Eisregen infolge des Klimawandels künftig häufiger auftreten werden.

Daten für Klimamodelle

Die Forscher um Lindsey Rustad von der Waldbehörde des US-Agrarministeriums untersuchen nun, welche Langzeitauswirkungen das auf die Bäume selbst hat. "Es ist nicht einfach, Eisregen zu studieren, weil sie schwer vorherzusagen sind", sagte Rustad. Deshalb simulierten die Forscher den eisigen Wolkenbruch und besprühten drei Testflächen, jede in der Größe eines Basketballfeldes, mit unterschiedlichen Wassermengen: Binnen kürzester Zeit waren Äste und Baumstämme von sechs, zwölf oder 19 Millimeter dicken Eishüllen umgeben.

Zwar dauern die Auswertungen – und der Vergleich mit den umliegenden, nicht vereisten Waldflächen – noch an, aber erste Ergebnisse zeichnen sich ab, so Rustad: Ein leichter Eisregen könne dem Wald durchaus gut tun, weil eine dünne Eisschicht überzählige Triebe ausdünne. Es blieben noch genug Reserven zum Austreiben und Wachsen neuer Äste. Wiederholt und in heftiger Form könnten Eisstürme für die Kohlenstoffvorräte eines Waldes jedoch verheerend sein.

Das Eiswald-Experiment wird auch von anderen Forschern ausgewertet: Eine Gruppe will mit den Ergebnissen Klimamodelle verbessern, indem sie Extremereignisse wie Eisregen und -stürme einbezieht. Eine andere Gruppe untersucht die Auswirkungen auf die Bodengesundheit. Bereits seit 1955 wird im Testwald von Hubbard Brook zur Waldgesundheit geforscht, unter anderem auch zur Versauerung von Böden. (APA, 7.12.2017)