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Zentral gemanagte Einkaufsstraßen gegen Leerstand

7. Dezember 2017, 13:27

Marktbericht: Einkaufen wird zunehmend zum Erlebnis

"Händler, die sich nicht anpassen, müssen Platz machen." So beurteilt Sorin Scurtu, neuer Teamleiter Retail bei Otto Immobilien, die Marktsituation in Wien. Die Herausforderungen in die Branche seien mannigfaltig und beschränkten sich nicht nur auf den Online-Handel. "Wir haben selbstbewusste, mündige Konsumenten, die immer gezielter einkaufen und Alternativen haben", so der Experte.

Immer wichtiger wird im stationären Handel das Einkaufserlebnis mit allen Sinnen, heißt es im vergangene Woche präsentierten Retail-Marktbericht des Wiener Maklerunternehmens – eine Entwicklung, der etwa mit Architektur, Farben und Düften Rechnung getragen wird. In manchen Einkaufszentren gibt es auch schon Ladestationen für Handys, Kinderspielplätze und Relax-Zonen, um die Aufenthaltsdauer zu steigern.

Auch die Gastronomie spielt in Einkaufszentren und -straßen eine immer wichtigere Rolle. "Aber ich würde davor warnen, diesen Bereich als Allzweckwaffe zu betrachten", betonte Scurtu. Denn auch der Rest müsse funktionieren: "Es bringt nichts, tolle Gastronomie in einem schlechten Einkaufszentrum zu haben."

Vorbild Seestadt Aspern

Der Retail-Experte brach eine Lanze für gemanagte Einkaufsstraßen, wie es sie in Österreich bisher nur in der Seestadt Aspern gibt. Durch proaktives Management ließen sich negative Tendenzen erkennen und so Leerstand vermeiden. "Aber wir beobachten in Wien immer wieder: Jeder kocht sein eigenes Süppchen", berichtete Otto-Gewerbeimmobilienexperte Alexander Fenzl.

In der Inneren Stadt – zwischen Kärntner Straße, Stephansplatz, Rotenturmstraße, Graben, Kohlmarkt und Tuchlauben – haben sich die Mieten laut Marktbericht auf einem hohen Niveau stabilisiert, die Spitzenmiete liegt zwischen 400 und 600 Euro pro Quadratmeter und Monat. Günstiger und immer beliebter ist die Rotenturmstraße, wo bis zu 180 Euro Miete pro Quadratmeter bezahlt werden. "Hier wird sich in den nächsten Monaten sehr viel tun", so Scurtu. Selbiges erwartete er für die Mariahilfer Straße. (zof, 7.12.2017)