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Vorsätze: Sporteln beginnt mit Stillsitzen

29. Dezember 2017, 14:00

Auf die Plätze, fertig, los: Wie man es schaffen kann, seinen sportlichen Vorsätzen treu zu bleiben

Eigentlich wissen es alle: Bewegung ist gesund und sollte ein fixer Bestandteil unseres Alltags sein. 150 Minuten moderate Bewegung beziehungsweise 75 Minuten Bewegung mit höherer Intensität sollten es pro Woche sein. Die guten Vorsätze sind schnell gefasst, an der Umsetzung mangelt es am Ende aber im stressigen Berufsalltag gern, besonders wenn zu Hause die Familie wartet. Davon wissen auch unsere User ein Lied zu singen.

Der Linzer Sportmediziner Rainer Hochgatterer rät Bewegungswilligen paradoxerweise dazu, zuerst einmal ganz still zu sitzen: Wer den Sport tatsächlich nachhaltig in seinen Alltag integrieren will, muss nämlich zuallererst gründlich nachdenken. Drei Fragen sind es, die es zu beantworten gilt.

"Die wichtigste Frage ist immer: Warum möchte ich etwas ändern?", so Hochgatterer. Wer die Frage nach dem "Warum" nicht beantworten kann, der wird sich am Ende nämlich auch schwertun, wenn der Wecker um sechs Uhr klingelt und es draußen noch dunkel ist, argumentiert der Sportmediziner. Die zweit wichtigste Frage ist jene nach dem "Was". Dabei geht es darum, die richtige Sportart zu wählen.

Ganz zuletzt geht es dann um das "Wie": "In diese Frage stecken die Menschen aber fälschlicherweise immer die meiste Zeit rein", so Hochgatterer – als Resultat würden dann die neuesten Laufschuhe, ein teures Outfit und eine Pulsuhr gekauft, die dann am Ende nicht genutzt werden. Für Anfänger sei all das erst einmal nicht nötig, betont der Sportmediziner: "Ich würde am Anfang einfach einmal tun, ohne unbedingt alles exakt richtig zu machen."

Ziele formulieren

Auch die Wiener Mittelstreckenläuferin und Fitnesstrainerin Elisabeth Niedereder kennt Menschen mit sportlichen Neujahrsvorsätzen, die sich nach wenigen Wochen wieder aus ihren Fitnesskursen verabschieden. Auch sie empfiehlt daher, sich anfangs zum Ausformulieren eines richtigen Zieles Zeit zu nehmen – und nicht nur realistische Ziele, sondern auch Zwischenziele zu formulieren. "Ich möchte in drei Monaten fünf Kilometer durchhalten", hält Niedereder beispielsweise für ein realistisches Ziel.

Sind die Ziele erst einmal gesteckt, kann es losgehen – theoretisch. Denn bei vielen kommt am Ende eben doch immer wieder etwas dazwischen. Das Argument, dass der Alltag für Sport zu stressig sei, lässt Sportmediziner Hochgatterer aber nicht gelten. Er verweist auf die Zeit, die Menschen am Tag mit dem Handy verbringen: "Wenn man seine E-Mails nicht alle paar Minuten checkt, hat man Ende des Tages mindestens 20 Minuten übrig."

Von guter Zeiteinteilung wussten auch User kürzlich zu berichten, als es um Sport am Wochenende ging.

Tipps und Tricks

Wichtig ist laut den Experten auch eine gewisse Flexibilität im Alltag: "Man darf nicht in die Falle tappen, zu glauben, dass man unbedingt eine Stunde laufen muss", warnt Hochgatterer vor zu hohen Erwartungen. Bei vielen Menschen seien zehn Minuten Sport am Tag schon eine Leistung.

Am einfachsten ist es, das Sportprogramm rund um die Arbeitszeit aufzubauen, berichtet Niedereder – etwa, indem in die Arbeit gelaufen oder geradelt wird. Auch die halbstündige Mittagspause bietet Gelegenheit für Kräftigungsübungen oder einen kurzen Lauf. Hilfreich ist laut Niedereder auch, den Besuch im Fitnessstudio auf dem Heimweg von der Arbeit einzuplanen, bevor man auf der Couch angekommen ist.

Vielen hilft es auch, sich mit Freunden zu verabreden, sich für einen Kurs anzumelden oder sich den geplanten Lauf als fixen Termin für sich selbst in den Kalender einzuschreiben, der nicht einfach so abgesagt werden kann, so Niedereder: "Jeder braucht seine Tricks."

Es gehe darum, die richtigen Prioritäten zu setzen, betont Hochgatter. Und am Ende brauche es zum Erreichen der sportlichen Ziele wohl auch eine "Portion gesunden Egoismus": "Die Zeit muss man sich halt wo runterzwicken." (zof, 29.12.2017)