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Mit den Patienten reden: Ärzte können von Kindern lernen

27. Dezember 2017, 07:00

Forscher sind überzeugt: Kinder haben die Gabe, mit Patienten einfach und pointiert zu kommunizieren

Kinder sagen ohne Umschweife, was Sache ist, sie verwenden eine einfache, klare Sprache. Das macht sie Wissenschaftern des britischen Universitätsspitals Coventry and Warwickshire NHS Trust zufolge zu potenziellen Experten, was die Arzt-Patienten-Kommunikation angeht. Ihr Vorschlag: Wenn Kinder künftig an der Erstellung von Informationsbroschüren über chirurgische Eingriffe mitwirken würden, könne das deren Verständlichkeit erhöhen.

In der Vergangenheit haben Studien gezeigt, dass Patienten, die klar und deutlich über Tests, Operationen und Behandlungen aufgeklärt werden, weniger ängstlich und zufriedener mit ihrer medizinischen Betreuung sind. Die mündliche Information wird häufig anhand von Broschüren unterstützt – vor allem dann, wenn eine Einverständniserklärung für einen Eingriff notwendig ist.

Das Problem daran ist, dass die relevanten Fakten offenbar nicht von allen Patienten gleich gut verstanden werden. Das durchschnittliche Lesealter in Großbritannien liegt zwar bei neun Jahren, Untersuchungen weisen aber darauf hin, dass die durchschnittliche Lesbarkeit – ein Kriterium für die Textverständlichkeit – von Informationsbroschüren für Patienten deutlich darüber liegt.

Kinder als Verfasser von Broschüren

Um dieser Diskrepanz auf den Grund zu gehen, bewertete das Team rund um Catrin Wigley die Lesbarkeit von sechs Informationsbroschüren des britischen Gesundheitssystems National Health Service (NHS) über Hüftplastik. Dabei handelt es sich um Operationen, bei denen künstliche Hüftgelenke eingesetzt werden. Die Forscher fanden heraus, dass die durchschnittliche Verständlichkeit bei 17 und damit weit über dem durchschnittlichen Lesealter von neun Jahren lag.

Schließlich luden die Forscher 57 Kinder zwischen acht und zehn Jahren einer lokalen Volksschule ein, um den Inhalt der Broschüren zu überarbeiten. Als Vorbereitung erhielten sie von den Ärzten eine Unterrichtsstunde zum Thema Hüftplastik.

Die Kinder hatten die Aufgabe, mit ihren eigenen Worten eine Informationsbroschüre zu verfassen. Folgende Punkte mussten dabei behandelt werden: Operationsmethoden, mögliche Komplikationen beim Eingriff sowie Informationen darüber, was vor und während des Verfahrens passiert. Darüber hinaus wurden die Kinder gebeten, ein frei wählbares Bild für die Broschüre zu zeichnen.

Formulierungen, die geläufig sind

Die klare Sprache der Kinder überzeugte die Forscher. Formulierungen wie "Ihre Hüfte ist alt und brüchig" seien verständlich und vielen Patienten geläufig. Auch über mögliche Risiken konnten die Kinder klar und verständlich aufklären. "Kinder beschönigen die Komplikationen nicht, warum sollten wir das also tun?", regen die Wissenschafter in ihrem Artikel an. Die Zeichnungen der Kinder nahmen sie als "intelligent und informativ" wahr, sie würden die Patienten "mit Sicherheit zum Lächeln bringen", schreiben die Studienautoren.

Die Forscher sehen Mediziner in der Pflicht, Informationen über Eingriffe und Behandlungen so aufzubereiten, dass sie "leicht verdaulich" sind. "Kinder für die Erstellung solcher Broschüren einzuladen, mag wie ein skurriler Scherz wirken, doch unsere Erfahrung hat gezeigt, dass sie uns eine einfache, treffende Kommunikation beibringen können", so das Fazit der Wissenschafter. (maka, 27.12.2017)