Foto: David Booth

Große Echsen lösen Füchse als Eierdiebe ab

3. Jänner 2018, 08:00

Im australischen Bundesstaat Queensland machen sich (wieder) Arguswarane über die Nistkolonien von Schildkröten her

Der vertriebene König des Strands ist aus dem Exil zurück: ein Arguswaran.
foto: david booth

Sydney – Trotz ihrer annähernd weltweiten Verbreitung gilt die Unechte Karettschildkröte (Caretta caretta) als vom Aussterben bedroht. Die Nistkolonien der über 100 Kilogramm schweren Meeresschildkröten müssen daher streng geschützt werden.

Problemfüchse

In Australien bedeutete das nicht zuletzt auch, dass wieder einmal eingeschleppte europäische Säugetiere, die sich unkontrolliert vermehrt hatten, bekämpft werden mussten. Am Strand von Wreck Rock Beach im Bundesstaat Queensland, wo sich alljährlich eine der größten australischen Nistkolonien der Schildkröten bildet, trieben Rotfüchse ihr Unwesen. Die kleinen Räuber plünderten die Nester der Schildkröten in gefährlichem Ausmaß, bis in den 1980ern eine Kampagne zur Dezimierung der Fuchspopulation gestartet wurde.

Die Kampagne war erfolgreich – was freilich nicht heißt, dass die Schildkrötennester nun ihre selige Ruhe haben. Die Räuber, die sich nun über die Nester hermachen, gehören aber zur angestammten Fauna und sind damit Teil des ökologischen Gleichgewichts: Arguswarane (Varanus panoptes), in Australien Goannas genannt. Damit müssen die Schildkröten fertig werden – etwas Schwund ist schließlich immer.

Althergebrachter Eierdiebstahl

Nach dem weitgehenden Verschwinden der Füchse konnten die Goannas ihre althergebrachte Plündertätigkeit wieder aufnehmen, berichten Forscher der University of Queensland im Fachjournal "Austral Ecology". Sie beobachteten die Nistkolonie und stellten fest, dass die Plünderungen immer nach dem gleichen Schema ablaufen. Es sind immer nur ausgewachsene männliche Warane, die die Nester aufgraben. Wenn diese Exemplare, die bis zu 1,6 Meter lang werden können, den Tatort verlassen haben, machen sich auch kleinere Artgenossen sowie Buntwarane (Varanus varius) über die Reste her.

Nicht klären konnte das Team um Juan Lei und David Booth, wie die Goannas die vergrabenen Nester finden. Zu ihrer Überraschung stellten die Forscher fest, dass ein frischangelegtes Nest – eines, bei dem die Scharrspuren noch sichtbar sind und bei dem der Geruch des Muttertiers noch in der Luft hängt – nicht häufiger geplündert wird als ein mehrere Wochen altes, das längst mit seiner Umgebung verschmolzen ist. Die Goannas schlagen überall mit gleicher Wahrscheinlichkeit zu. (jdo, 3. 1. 2018)