Experiment: Forscher machten Fische mit Schminke zu "Lügnern"

28. Dezember 2017, 10:00

Versuch mit Buntbarschen zeigt: Die Verwendung unehrlicher Zeichen kann bestraft werden

Wien/Basel – Die Wörter Fisch, Schminke und Lügen wird man nicht oft in einem Atemzug nennen können, aber ein Experiment von Schweizer und österreichischen Verhaltensforschern hat sie alle zusammengebracht: Die Forscher manipulierten nämlich die visuelle Kommunikation einer Fischart und beobachteten anschließend die Folgen. Kurz zusammengefasst lautet das im Fachjournal "Evolution Letters" präsentierte Ergebnis so: Lügen ist in Fischkreisen verpönt und wird daher bestraft.

Die natürliche Ausgangslage

Ein Team um Hugo Gante und den Österreicher Walter Salzburger vom Zoologischen Institut der Universität Basel zog für sein Experiment Prinzessin-von-Burundi-Buntbarsche (Neolamprologus brichardi, auch Gabelschwanzbuntbarsche oder Feenbuntbarsche genannt) aus dem Tanganjikasee heran. Die Tiere haben hinter dem Auge einen schwarzen Streifen, der von blauen und gelben Elementen umrahmt ist.

"Die Fische weisen sich durch diese Zeichnung als einer Art zugehörig aus und erkennen einander daran, andererseits können sie damit aber auch ihren Status visualisieren", sagt Salzburger. Sind sie nämlich eher aggressiv und dominant gestimmt, wird der Streifen dunkler, eine vorsichtige und unterordnungsbereite Stimmung lässt ihn hingegen verblassen.

"Sie kommunizieren also durch diese auffälligen Gesichtszeichen, ob sie sich derzeit als Chef im Revier fühlen oder sich eher zurückhalten wollen", sagt Salzburger Das Verdunkeln und Aufhellen des Streifens erfolgt in Sekundenschnelle durch rasche Bewegungen der schwarzen Farbstoffe in Pigmentzellen. Bei einem Kampf um ein Revier wird er beim unterlegenen Fisch zum Beispiel schnell blass. Damit signalisiert er, dass er aufgeben will und wird anschließend nicht länger malträtiert.

Der kosmetische Eingriff

Die Forscher verstärkten anschließend die Streifen bei manchen Fischen mit schwarzer Farbe, bei anderen hellten sie diese grau auf. Dann beobachteten sie, wie die Buntbarsche auf solch unehrliche Zeichen bei ihren Artgenossen reagieren. Es zeigte sich, dass die Fische die ungeschminkte Wahrheit bevorzugen: Sowohl die zu dunklen wie auch die zu blassen Streifen riefen mehr Aggression und Angriffe hervor.

Die Barsche wurden demnach sozial bestraft, wenn sie sich ungerechtfertigt dominant (als Bluffer) zeigten oder unterwürfiger aussahen als sie in Wirklichkeit waren (also quasi scheinheilig ein "Underdog"-Aussehen aufgesetzt hatten). Lügen würden demnach etwas kosten – und wer unwahr kommuniziert, hätte in der Evolution einen Nachteil, so die Forscher. Durch diesen Mechanismus kann also die Verwendung ehrlicher Zeichen begünstigt werden – auch wenn die Evolution in anderen Kontexten "Lügen" in Form von Tarnen und Täuschen sehr oft begünstigt. (APA, red, 28. 12. 2017)