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FPÖ-Gemeinderat schickt Weihnachtsgrüße mit Nazi-Propaganda

27. Dezember 2017, 15:23

Der blaue Spitzenkandidat im niederösterreichischen Krumbach postete am Heiligen Abend das Cover einer Nazi-Zeitschrift und "Stille Nacht" mit Wehrmachtsfotos

Wien – Die Facebook-Freunde von Bernhard Blochberger erhielten am Heiligen Abend spezielle Weihnachtsgrüße. Der FPÖ-Gemeinderat aus dem niederösterreichischen Krumbach postete am 24. Dezember eine Zeichnung, die eine Familie auf der einen und zwei deutsche Soldaten bei einem Grab auf der anderen Seite zeigt. "Für all jene, an die heute niemand denkt", schreibt Blochberger dazu in Großbuchstaben.

Das Bild stammt von der nationalsozialistischen "Frauen-Warte", der "einzigen parteiamtlichen Frauenzeitschrift" vom Dezember 1943, wie ein FPÖ-kritischer Blog herausfand. Das, versichert Blochberger auf STANDARD-Anfrage, habe er nicht gewusst: Er habe das Bild, auf dem der "Frauen-Warte"-Schriftzug samt Hakenkreuz abgeschnitten ist, auf einer Facebook-Seite gesehen und für seine eigenen Freunde kopiert, "weil es mir gefallen hat". Aber "gewisse Leute sehen in allem irgendwas drinnen".

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Stille Nacht mit der Wehrmacht

Nur wenige Minuten später postete Blochberger das Lied "Stille Nacht", illustriert mit Fotos von Wehrmachtssoldaten. Das sei ein Versehen gewesen, er habe "falsch gedrückt". Das Video mit dem Titel "Wehrmacht, stille Nacht" findet sich auf einem rechtsextremen Youtube-Kanal. Als er den Fehler bemerkte, habe er den Link zum Video wieder gelöscht.

Das Nazi-Propagandabild mit den Wehrmachtssoldaten dagegen bleibt stehen – und zwar aus Protest: Er sei so wüst beschimpft worden, sagt Blochberger, dass er das Bild nun bewusst stehen lasse. "Man muss auch sagen, dass da nichts Verbotenes drinnen ist."

"Schöne Weihnachtsgrüße"

Der Mitgliedschaft in Facebook-Gruppen wie "Deutschland ist meine Heimat", "Volksaufstand", "Das Deutsche Reich muss deutsch bleiben" und "Stalingrad Front" ist sich der FPÖ-Politiker nach eigenen Angaben zum Teil nicht bewusst – wahrscheinlich sei er von den Gruppenbetreibern hinzugefügt worden. Das lehne er dann in der Regel nicht ab, das habe mit Höflichkeit zu tun.

Verbindungen mit nationalsozialistischem Gedankengut streitet Blochberger ab: "Ich habe mit der Zeit damals nichts zu tun, ich war nicht auf der Welt damals." Er wollte einzig "schöne Weihnachtsgrüße vermitteln" und findet es "persönlich traurig, dass man gerade zu Weihnachten" die Dinge so gehässig verdrehe.

Kein Parteimitglied, aber Spitzenkandidat

Parteiinterne Konsequenzen dürften die Postings für Blochberger allein deshalb nicht haben, weil er laut FPÖ Niederösterreich gar kein Parteimitglied ist, "sondern als unabhängiger Kandidat" an der Spitze der FPÖ-Liste in den Gemeinderat eingezogen ist. "Deshalb fehlt mir als Parteisekretär der FPÖ Niederösterreich auch die Möglichkeit einzuschreiten", sagt ebendieser, Christian Hafenecker.

Er selbst hätte beide Inhalte nicht geteilt, er halte aber fest, "dass es sich dem Vernehmen nach nicht um Wiederbetätigung gehandelt haben dürfte, was für mich wesentlich ist". Hafenecker will aber bei nächster Gelegenheit "ein klärendes Gespräch führen". (sefe, 27.12.2017)