Selbstheilendes Material als mögliches Glas der Zukunft

28. Dezember 2017, 14:20

Zufällig entdecktes Material aus Polyether und Thiocarbamid weist vielversprechende Eigenschaften auf

Tokio – Durch Zufall hat ein japanischer Forscher ein besonders stabiles, glasartiges Material erfunden: Als er experimentierte, um Klebstoff besser auf feuchten Oberflächen haften zu lassen, entwickelte der Chemiker Yu Yanagisawa von der Universität Tokio eine glasartige Substanz, die sich nach einem Bruch fast wie von selbst repariert. Die Entwicklung wurde kürzlich im Fachblatt "Science" vorgestellt.

Die Entdeckung könnte die Lebensdauer von Alltagsprodukten wie Fenstern oder Baumaterial deutlich verlängern – bis zu einer industriellen Nutzung sei es aber noch ein weiter Weg, so der Forscher. In seinem Labor demonstrierte Yanagisawa das selbstreparierende Glas: Er zerbrach ein kleines Stück in zwei Teile, drückte dann beide Teile 30 Sekunden lang aneinander – und das Glas war wieder aus einem Stück und sah fast genau so aus wie zuvor.

Weitere Forschung nötig

Neben der selbstheilenden Eigenschaft weist das Material eine besonders hohe Stabilität auf. Es ähnelt eher Acryl als mineralischem Glas und besteht aus einer Kombination aus den Substanzen Polyether und Thiocarbamid, dessen Wasserstoff-Verbindung dem Material eine selbstklebende Eigenschaft verleiht. Nach Angaben des 33-Jährigen Wissenschafters könnte sich damit die Lebensdauer vieler Glasgegenstände verdoppeln oder sogar verdreifachen. Allerdings nimmt die Haltbarkeit bei Temperaturen ab 40 Grad Celsius ab.

Weitere Forschung sei auch noch nötig, um die Eigenschaften auf empfindliche Gegenstände wie Smartphone-Bildschirme zu übertragen. Weltweit suchen Forscher nach Methoden, um winzige Risse in Produkten zu verhindern. "Wenn Material bricht, hat es bereits vorher viele winzige Risse gehabt", so Yanagisawa. Seine Studie zeige einen Weg, um sicheres und langlebiges Glas herzustellen. (APA, 28.12.2017)