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Der Ufo-Hype erlebt eine Neuauflage

28. Dezember 2017, 18:17

Ein Ex-Pentagon-Geheimdienstler hält die Existenz von Ufos für bewiesen. Sind seine Äußerungen eine PR-Strategie seines neuen Arbeitgebers?

Washington/Wien – Am 24. Juni 1947 beobachtete der US-amerikanische Geschäftsmann Kenneth Arnold auf seinem Flug mit einer CallAir-Propellermaschine nahe Mount Rainier, Washington, neun ungewöhnliche Flugobjekte, die vor seinen Augen plötzlich in den Wolken verschwanden. Heute gilt diese Begegnung als erste einer ganzen Serie von mysteriösen Sichtungen der jüngeren Geschichte, die eine regelrechten Ufo-Manie auslösen sollte.

Arnolds Bericht und ein etwa zeitgleicher Vorfall in der Nähe der Kleinstadt Roswell im US-Bundesstaat New Mexico, der als Absturz eines angeblichen außerirdischen Raumschiffs gedeutet wurde, legten den Grundstein für eine zunächst nationale, bald aber schon globale mediale Aufmerksamkeit für vermeintlich extraterrestrische Besucher in den 1950er- und 1960er-Jahren.

Thema des Kalten Krieges

Das Ufo-Phänomen rief nicht nur viele "Experten" auf den Plan, die mit ihren Publikationen eine Menge Geld machten, es weckte auch die Neugier einiger US-Behörden, die während der Zeit des Kalten Krieges zumindest vorübergehend die Ufo-Zeugenberichte tatsächlich näher untersuchten.

Nachdem das Ufo-Thema danach den Verschwörungstheoretikern überlassen worden war, hat die US-Regierung vor ein paar Jahren vorübergehend wieder Interesse an dem Phänomen gezeigt: Laut einem aktuellen Bericht der New York Times hat das Pentagon zwischen 2007 und 2012 ein Programm finanziert, das sich der Untersuchung potenzieller Ufo-Sichtungen erneut gewidmet hat.

Verantwortlich für dieses damals geheime und zuletzt von US-Medien öffentlich gemachte Advanced Aviation Threat Identification Program war Luis Elizondo. Der frühere Geheimdienstler hat im vergangenen Oktober das Pentagon verlassen und ist dem zur selben Zeit gegründeten Unternehmen To The Stars Academy beigetreten, das sich dem Ufo-Thema gleichsam kommerziell widmen will.

"Bewiesene" Ufos

Bekannt wurde Elizondo durch seine jüngsten Interview-Aussagen, in denen er Details aus den nicht vertraulichen Erkenntnissen des Advanced Aviation Threat Identification Program verriet. Besonders aufgefallen ist er dabei mit seiner Äußerung, die Existenz von Ufos sei aufgrund zahlreicher nicht hinreichend erklärbarer Zeugenaussagen eigentlich letztendlich "bewiesen." Konkret berief er sich dabei auf Aussagen von Bodenpersonal und Air-Force-Piloten, deren Beobachtungen sich nicht mit ihrer beruflichen Erfahrung in Einklang bringen lassen würden.

So verlockend es ist, diese gleichsam offiziellen "Ufo-Nachweise" eines US-Behördenvertreters für bare Münze zu nehmen, Elizondos Belege aus erster Hand erwecken zu diesem Zeitpunkt den Eindruck, als sollten sie vor allem eines: Aufmerksamkeit auf jenes neu gegründete Unternehmen lenken, dem er gerade eben als hochrangiger Mitarbeiter beigetreten ist. Immerhin ist die To The Stars Academy aktuell auf der Suche nach finanziellen Mitteln, die ihre Suche nach Beweisen für die Existenz von Ufos erst ermöglichen soll. (Thomas Bergmayr, 28.12.2017)