Foto: NASA/ESA, S. Djorgovski (Caltech), F. Ferraro (Universität Bologna)

Katermedizin: Beschaulicher Blick auf eine kosmische Schneekugel

Video
1. Jänner 2018, 15:49

Hubble-Aufnahmen zeigen den Kugelsternhaufen M 79, dessen ungewöhnliche Position Anlass für Spekulationen gab

Panoramablick auf M 79, aufgenommen mit der Wide Field Planetary Camera 2 des Hubble-Teleskops.
foto: nasa/esa, s. djorgovski (caltech), f. ferraro (universität bologna)

Silvester gut überstanden? Noch etwas wackelig auf den Beinen oder nebelumflort im Kopf? Dann ist dieses Video genau das richtige: Die NASA hat dafür Aufnahmen des Hubble-Teleskops vom 41.000 Lichtjahre von uns entfernten Kugelsternhaufen M 79 zusammengestellt. Eine Minute lang dreht sich darin eine kosmische Schneekugel – in gemächlichem Tempo, keine Angst!

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Tatsächlich hat es der 1780 entdeckte Kugelsternhaufen durchaus in sich. Auf einem Durchmesser von nur 118 Lichtjahren drängeln sich hier etwa 150.000 Sterne. Gelbe Hauptreihensterne analog zu unserer Sonne gehören ebenso dazu wie Rote Riesen und eine ganz besondere Klasse von Sternen, die sogenannten Blauen Nachzügler. Obwohl diese etwa gleich alt sind wie die Sterne in ihrer Umgebung, geben sie sich mit ihrem hellen blauen Leuchten den Anschein eines viel geringeren Alters. Astronomen vermuten, dass solche Objekte aus Kollisionen und Verschmelzungen von Sternen hervorgegangen sind – was in einer so dichtgepackten Umgebung wie einem Kugelsternhaufen leicht der Fall sein kann.

Auch M 79 als Ganzes lohnt aber einen näheren Blick. Von den etwa 150 Kugelsternhaufen, die man bislang im Halo der Milchstraße entdeckt hat, liegen die meisten in Richtung des galaktischen Zentrums – M 79 hingegen annähernd entgegengesetzt. Erklärungsmodelle für diese Sonderposition gibt es verschiedene, darunter auch die Vermutung, dass die Milchstraße M 79 von einer anderen Galaxie "geerbt" haben könnte. Als mögliche Kandidatin gilt die Zwerggalaxie Canis Major, die mit der Milchstraße kollidiert und bereits so stark verschmolzen ist, dass ihre Rest-Struktur erst 2003 entdeckt wurde. (jdo, 1. 1. 2018)