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Die Nachfrage nach Immobilien hält an, das Angebot bleibt knapp

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3. Jänner 2018, 17:47

2017 dürften rund 122.000 Transaktionen mit einem Gesamtvolumen von 28,5 Milliarden Euro getätigt worden sein, heuer könnte es auf diesem Niveau weitergehen

Wien – Genau 121.436 Immobilien-Transaktionen waren im Jahr 2016 im österreichischen Grundbuch eingetragen worden – ein Rekord. Für das gerade abgelaufene Jahr 2017 sind zwar noch nicht alle Eintragungen bekannt – ein gewisser "Nachlauf" wird in den nächsten Wochen noch bearbeitet werden –, beim bundesweit aktiven Maklernetzwerk Remax rechnet man aber sehr damit, dass neuerlich ein Höchststand erreicht wurde: Rund 122.000 Verbücherungen erwartet Geschäftsführer Bernhard Reikersdorfer, davon dürften rund 50.000 Eigentumswohnungen gewesen sein. Eine ganz ähnliche Prognose für 2017 hatte auch der Verband der Immobilienwirtschaft kurz vor Weihnachten geäußert, was kein Wunder war, denn beide Organisationen beziehen die Grundbuchdaten vom selben Unternehmen, Immo United.

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Gesamtwert bei 28,5 Milliarden Euro

Was den Gesamtwert der 2017 gehandelten Immobilien betrifft (vom Betriebsbaugrundstück bis zum Luxuspenthouse ist da alles mitgezählt), so lässt sich schon mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass es zu einem neuen Rekord gekommen ist. Anhand der vorliegenden Daten rechnen Remax und Immo United mit etwa 28,5 Milliarden Euro an Gesamtvolumen.

Die Anzahl der Transaktionen stieg seit 2013 (dem Jahr, in dem es letztmalig einen Rückgang gegeben hatte) um fast 50 Prozent, das Gesamtvolumen legte in diesem Zeitraum sogar um fast 80 Prozent zu, die Wohnungspreise um 40 Prozent.

Steigerungen erwartet

Wie geht es weiter? Reikersdorfer bezieht sich in seiner Prognose auf den seit 2010 erstellten und immer zu Jahresbeginn publizierten "Remax Real Estate Future Index", kurz RREFIX. Dieser beruht auf Befragungen von 560 Maklern des Netzwerks, er prognostiziert für 2018 großteils wieder Zuwächse: 3,9 Prozent bei der Nachfrage und 1,3 Prozent beim Angebot, was schließlich ein Plus von 4,5 Prozent bei den Preisen erwarten lasse. Diese dürften demnach in elf von 17 Kategorien zulegen, darunter in fast allen Wohnimmobiliensegmenten mit Ausnahme von Miet- und Eigentumswohnungen in Landgemeinden sowie Wochenendhäusern.

Relativ stark verteuern, nämlich um 6,3 Prozent, werden sich demnach Baugrundstücke, zentral gelegene Eigentumswohnungen immerhin auch um 5,6 Prozent. Soweit die Prognosen, von denen Reikersdorfer sagt, dass man damit meist richtig liege.

Manchmal aber auch nicht: Anfang 2016 rechnete Remax etwa mit einem Rückgang der Transaktionen auf 95.000 – weil man Ende 2015 starke Vorzieheffekte durch die Erhöhung der Immo-ESt sah. Es ging dann aber weiter bergauf, letztlich um zehn Prozent. Schon ein Jahr davor rechneten die Remax-Makler auch mit (im Schnitt) moderat zurückgehenden Preisen, auch dies bewahrheitete sich nicht wirklich.

Wenige günstige Wohnungen

Das stärkste Nachfrageplus (7,8 Prozent) ortet der RREFIX aktuell im unteren Segment mit Wohnungspreisen bis 200.000 Euro. Weil hier in zentralen Lagen das Angebot gering ist und nur leicht zulegt (0,3 Prozent), werden Preissteigerungen von 5,6 Prozent erwartet. Unter diesen Voraussetzungen sei "eine sozialpolitische Entspannung" bezüglich der Eigentumswohnungspreise im Einstiegssegment "nicht zu erwarten", so Anton Nenning, Managing Director bei Remax Austria.

Dass Eigentumswohnungen grundsätzlich kaum noch leistbar seien, wollte Reikersdorfer am Mittwoch so nicht sagen. Ein Viertel aller Wohnungen, die bundesweit im Vorjahr verkauft wurden, kosteten weniger als 120.000 Euro, in Wien lag diese Grenze bei 140.000 Euro, rechnete er vor. Im oberen Preissegment – Eigenheime ab 400.000 Euro – wird bei einer leicht sinkenden Nachfrage ein Preisanstieg von nur 0,6 Prozent erwartet.

Im Bundesländervergleich sieht Remax die stärksten Verteuerungen heuer in der Steiermark mit sechs Prozent, gefolgt von Kärnten (5,2 Prozent) und Wien (5,1 Prozent). Preisrückgänge werden hingegen neuerlich in den Gewerbesegmenten erwartet, insbesondere bei den Mieten für Geschäftslokale und Büroflächen.

Expansionskurs

Remax-Makler waren 2017 in rund 10.000 Transaktionen mit einem Gesamtwert von 1,45 Milliarden Euro involviert, die Honorare konnte man um 12,5 Prozent steigern. Heuer wollen Reikersdorfer und Nenning zehn neue Standorte eröffnen.

Reikersdorfer sagte am Mittwoch auf einer Pressekonferenz auch, dass man die Kooperationen von Remax-Maklern untereinander "forcieren" wolle. Immerhin etwas mehr als 1.600 Transaktionsseiten habe man 2017 bereits in Form eines Makler-Partnergeschäfts ("Ameta-Geschäft") abgewickelt, mit Blick auf andere Märkte – etwa Nordamerika, wo dies gang und gäbe ist – sei da aber natürlich noch viel Luft nach oben.

"MLS"-Versuche werden "beobachtet"

Bezüglich der von einem anderen heimischen Maklernetzwerk, dem Immobilienring, gemeinsam mit WKÖ und ÖVI geplanten Kooperationsplattform nach Vorbild der nordamerikanischen MLS-Systeme (DER STANDARD berichtete) sagte Nenning, man sehe das grundsätzlich positiv, werde das Projekt zunächst aber einmal nur beobachten. Der Erfolg eines MLS ("Multiple Listing System") hänge nämlich stark davon ab, ob es eine sogenannte "Einstellungspflicht" gebe oder nicht. In den USA oder Kanada seien Makler verpflichtet, alle ihre Objekte in das MLS einzubringen. Gebe es diese Pflicht nicht, drohe so ein MLS bloß aus schwer vermittelbaren Objekten zu bestehen, so Nenning. (Martin Putschögl, 3.1.2018)