Foto: AP/Eric Risberg

Alkohol kann schwere DNA-Schäden in Stammzellen verursachen

7. Jänner 2018, 17:51

Forscher zeigten an Mäusen, wie ein Alkohol-Abbauprodukt Chromosomen in Zellen durcheinanderbringt und das Risiko für Mutationen erhöht

Cambridge – Dass Alkoholkonsum ungesund ist, ist hinlänglich erwiesen. Die Frage, wie genau Alkohol den menschlichen Körper schädigt, ist aber noch längst nicht abschließend geklärt. Neben den bekannten Effekten wie Schädigungen der Leber, des Gehirns und des Herz-Kreislauf-Systems fanden Forscher im vergangenen Jahrzehnt immer deutlichere Hinweise darauf, dass Alkohol auch Krebserkrankungen verursacht. Der genaue Zusammenhang ist aber umstritten.

Nun berichten Forscher im Fachblatt "Nature", dass Alkohol Chromosomen in Stammzellen beeinflusst und dadurch gefährliche Mutationen auslösen kann. "Unsere Arbeit liefert deutliche Beweise dafür, dass ein Alkoholmetabolit DNA-Schäden in Stammzellen verursacht", sagte Studienleiter Ketan Patel vom MRC Laboratory of Molecular Biology in Cambridge.

Gefährlicher Metabolit

Schon in früheren Arbeiten wurde eine schädliche Wirkung des Alkohol-Abbauprodukts Acetaldehyd auf Zellen vermutet. Das bestätigte sich zwar in Versuchen mit hohen Acetaldehyd-Konzentrationen in der Petrischale, an lebenden Organismen wurde die Wirkung bislang aber nicht untersucht.

Das holten Patel und Kollegen nun nach: In Versuchen mit Mäusen konnten sie bestätigen, dass Acetaldehyd zu dauerhaften DNA-Veränderungen in Stammzellen führt, wenn nicht zwei natürliche Abwehrmechanismen greifen: Einer beseitigt das toxische Abbauprodukt, der andere sorgt für die DNA-Reparatur in der Zelle. Schalteten die Forscher die dafür verantwortlichen Enzyme in den Nagern aus, versagten die Zellen vollständig.

Fehlendes Enzym

Schalteten sie nur eines davon aus, ALDH2, wurden die Stammzellen vier mal so stark geschädigt wie mit einer funktionierenden Abwehr. Und darin könnte ein wesentlicher Faktor für Alkohol-induzierte Krebserkrankungen liegen: Denn schätzungsweise acht Prozent der Weltbevölkerung, vorwiegend im ostasiatischen Raum, fehlt das Enzym ALDH2 ganz oder es liegt in einer fehlerhaften Version vor.

"Wer nicht dazu in der Lage ist Alkohol, effektiv zu verarbeiten, hat also ein noch höheres Risiko für alkoholbedingte DNA-Schäden und damit für bestimmte Krebsarten", sagte Patel. Der Forscher betonte aber auch, dass Menschen mit intakten Abwehrmechanismen keineswegs vollständig geschützt seien: "Alkohol kann auf verschiedene Weisen Krebs verursachen, kein Reparatursystem ist perfekt." (dare, 7.1.2018)