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ORF-Nachrichten 2017: Schwarz und männlich

8. Jänner 2018, 18:16

Die ÖVP kam in der "ZiB 1" und der "ZiB 2" insgesamt auf 38 Prozent der Redezeit, während die SPÖ 33 Prozent erreichte

Wien – Dass die SPÖ im August 2017 mehr als 50 Prozent der Redezeit in den wichtigsten Nachrichtensendungen des ORF verbuchen konnte, klingt zwar gut, ist es aber nicht: Denn die Verhaftung des SPÖ-Beraters Tal Silberstein und das Hochkochen der Affäre um Sudelseiten auf Facebook brachte der damaligen Kanzlerpartei mitten im Wahlkampf jede Menge Berichterstattung – nicht unbedingt positive.

Über das Jahr verteilt dominiert in Summe in der "ZiB 1" und der "ZiB 2" punkto Redezeit aber die ÖVP: Sie kommt auf 38 Prozent, während auf SPÖ-Politiker 33 Prozent der Originaltöne entfallen. Auf Platz drei rangieren die Grünen mit elf Prozent vor der FPÖ mit zehn. Unter "ferner liefen" rangiert das Team Stronach mit nur einem Prozent der Redezeit in der "ZiB 1" und null Prozent in der "ZiB 2". Das zeigt eine Auswertung von APA-Defacto hinsichtlich der Medienpräsenz der Parlamentsparteien für den STANDARD.

Wer wie oft zu Wort kam.
grafik: standard

Das Verhältnis zwischen Regierung und Opposition beträgt 72 zu 28 Prozent, jenes zwischen Politkern und Politikerinnen gar 84 zu 16 Prozent. Die Schere zwischen den Geschlechtern ist in den ORF-Nachrichten damit genauso eklatant wie im Jahr 2016, allerdings gab es mit Eva Glawischnig bzw. Ulrike Lunacek und Ingrid Felipe auch nur bei den Grünen Frauen an der Parteispitze.

Kern vor Kurz und Strache

Auf die meiste Redezeit der Parteigranden kam 2017 in der "ZiB 1" und der "ZiB 2" SPÖ-Chef Christian Kern mit 32 Prozent vor Sebastian Kurz (ÖVP) mit 23 und Heinz-Christian Strache (FPÖ) mit 15. Exinnenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP) und Exverteidigungsminister Hans Peter Doskozil (SPÖ) folgen auf den weiteren Plätzen. Die einzige Frau im Ranking der Top Ten findet sich mit Ulrike Lunacek von den Grünen erst auf Platz neun. Auf Rang zwölf liegt Kurzzeit-Nationalratspräsidentin und nunmehrige Umweltministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP).

ÖVP-Chef Sebastian Kurz.
foto: apa/georg hochmuth

Das bestimmende Thema bei der ÖVP und den Grünen waren 2017 Interna – noch vor Berichten über den Wahlkampf. Bei der ÖVP ging es um die Demontage Reinhold Mitterlehners als ÖVP-Obmann und die Inthronisierung Sebastian Kurz' als seinen Nachfolger, und bei den Grünen wurde intensiv über die Streitereien mit den Jungen Grünen, den Rücktritt Eva Glawischnigs und die Abspaltung von Peter Pilz berichtet.

Bei der Redezeit der Landeshauptleute bestimmt eindeutig Schwarz das Geschehen. Der Tiroler Günther Platter liegt vor Hermann Schützenhöfer (Steiermark), Thomas Stelzer (Oberösterreich), Erwin Pröll und Johanna Mikl-Leitner aus Niederösterreich. Erst auf Platz sieben kommt mit Michael Häupl ein roter Landeshauptmann (Wien).

Bei den Sozialpartnern schlägt Arbeit die Wirtschaft. Gewerkschaftschef Erich Foglar kam in der "ZiB 1" und "ZiB 2" häufiger als sein Wirtschaftspendant, Christoph Leitl, zu Wort. (red, 8.1.2018)