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In welchen Ländern am meisten gearbeitet wird

12. Jänner 2018, 13:00

Mexiko führt das Ranking mit 2.555 Arbeitsstunden pro Kopf und Jahr an. Österreich ist nicht dabei

Die Frage, wie viel man idealerweise arbeiten sollte, sorgt seit geraumer Zeit für Diskussion. Angesichts der fortschreitenden Digitalisierung fordern Experten immer wieder kürzere Arbeitszeiten. Jungen Menschen wird nachgesagt, dass sie ohnehin weniger arbeiten möchten und mehr Wert auf Freizeit legen – in "Zeit Online" schreibt eine Journalistin über ihre 28-Stunden-Woche.

Anlass, sich anzusehen, in welchen Ländern Menschen eigentlich wie viel arbeiten. Aufschluss gibt eine Auswertung der OECD – jedes Jahr erhebt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, wie viele Stunden durchschnittlich gearbeitet wird. Die aktuellsten Zahlen stammen von 2016. Die Statistik führt – wie im Jahr davor – Mexiko an: Dort liegen die Arbeitsstunden pro Person und Jahr bei 2.255.

Angeführt wird der Ländervergleich von Mexiko. Auf Platz zwei der Auswertung findet sich Südkorea mit 2.069 Stunden. Auf Platz drei Griechenland.
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Für die Auswertung zieht die OECD die tatsächlich gearbeiteten Stunden heran, also auch bezahlte und unbezahlte Überstunden. Feiertage und Urlaube werden abgezogen. Das Ergebnis wird durch die Zahl der Erwerbstätigen geteilt. Auf Platz zwei der Auswertung findet sich Südkorea mit 2.069 Stunden.

Griechenland führ in Europa

Obwohl sie nach der Finanzkrise häufig als überbezahlt und faul tituliert wurden, liegen die Griechen auf Platz drei des Rankings: Laut OECD-Daten wird dort mehr gearbeitet als in jedem anderen untersuchten europäischen Land, nämlich 2.035 Stunden pro Jahr.

Durchschnittliche Arbeitsstunden pro Jahr und Person in Beschäftigung: Top-OECD-Länder.
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In den Top Ten befinden sich außerdem Chile mit 1.974, Polen mit 1.928 Stunden, Lettland (1.910), Israel (1.889), Island (1.383), Irland (1.879) und Estland (1.855).

In Österreich wird laut der Auswertung 1.601 Stunden gearbeitet, in Deutschland nur 1.363. Der OECD-Schnitt liegt bei 1.763 Stunden.

Wie kann das sein?

Aber wie lassen sich die Unterschiede erklären? Was sind die Gründe für die vergleichsweise geringe Arbeitszeit in Österreich und Deutschland?

Ein wichtiger dürfte sein, dass viele, vor allem Mütter, Teilzeit arbeiten, um ihre Kinder zu betreuen. In anderen Ländern gebe es eine besser ausgebaute Kinderbetreuung, sodass Eltern dort mehr arbeiten können, analysiert Marc Röhling im Online-Magazin "Bento". Außerdem gebe es etwa in Deutschland viele geringfügig Beschäftigte, die weniger Stunden pro Woche arbeiten – und vergleichsweise viele Urlaubstage. In Krisenländern wie Griechenland erhöhen wiederum Zweit- und Drittjobs die Gesamtzahl der Arbeitsstunden.

Insgesamt ist die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden im Lauf der vergangenen Jahre in allen OECD-Ländern jedoch gesunken. Der Durchschnitt lag im Jahr 2000 noch bei 1.843 Stunden. (lib, 12.1.2018)