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Onlinechef Prantner: ORF als Steigbügelhalter für Private machbar

Interview |
10. Jänner 2018, 07:00

Thomas Prantner kann sich die Rolle, die Medienminister Blümel dem ORF zudenkt, vorstellen, wenn damit Attacken von Privat-TV-Vertretern ein Ende haben

Wien – Die gefragtesten Produkte seiner TVthek entstehen in "Verhörräumen" und auf "Anklagebänken": So beschrieb ORF-Onlinechef Thomas Prantner (53) im Frühjahr 2017 Fernsehinterviews im ORF. Der ORF-Redakteursrat fand das "rufschädigend".

Heute möchte sich Prantner auf STANDARD-Anfrage nicht äußern, ob er ORF-Interviews noch so sieht: "Mein Profil-Interview hat zahlreiche Reaktionen – von Ablehnung bis Zustimmung – hervorgerufen. Zu diesem Thema ist meinerseits alles gesagt."

Meistgenutzter Beitrag auf der TVthek 2017: Armin Wolfs Interview in Langversion mit dem scheidenden Landeshauptmann Erwin Pröll. Die Livenutzung dominieren Nationalratswahl und Sport.

Prantner, davor Pressesprecher und Marketingchef des ORF, war von 2007 bis 2011 Onlinedirektor, seit 2012 ist er Vizedirektor in der Technik. Er ist politisch gut vernetzt, insbesondere mit der FPÖ. Er könnte einer der ORF-Vorstände sein, wenn ÖVP und FPÖ mit einem neuen ORF-Gesetz den Alleingeschäftsführer durch mehrere Vorstände ersetzen.

STANDARD: Der neue Medienminister Gernot Blümel (ÖVP) hat angekündigt, dass viele der Onlinebeschränkungen des ORF fallen sollen. Da gäbe es etwa das Limit von sieben Tagen für den Abruf der meisten Videoinhalte oder auch Werbe-Targeting, etwa nach Regionen. Welche Beschränkungen stören Sie als Onlineverantwortlichen des ORF denn am meisten?

Prantner: Das sind positive Signale, die da seitens der Politik kommen. Es ist notwendig, dass die antiquierten gesetzlichen ORF-Online-Regelungen modernisiert und die Rahmenbedingungen für die digitale Entwicklung auf die Höhe der Zeit gebracht werden. Die wichtigsten Änderungen sollten das Forenverbot, das App-Verbot, die Onlinewerbung und die Sieben-Tage-Abruf-Regelung bei der ORF-TVthek betreffen. Auch die Genehmigungsverfahren für neue Online-Angebote sollten im Sinne der Wettbewerbsfähigkeit des ORF verkürzt werden.

STANDARD: Haben Sie schon herausgefunden, welche Beschränkungen nach den Vorstellungen der Regierung fallen sollen und welche bleiben?

Prantner: Nein.

STANDARD: Der neue Minister und die neue Regierung wünschen sich eine enge Online-Zusammenarbeit mit privaten Medien. Wie könnte eine solche Zusammenarbeit nach Ihren Vorstellungen aussehen?

Prantner: Die von der Regierung geplante engere Kooperation mit den Privaten im Bereich Onlinevermarktung sehen wir positiv. Den ersten Schritt in diese Richtung haben wir mit der Austria Videoplattform (AVP) der APA seit Anfang 2017 bereits umgesetzt. Der ORF stellt als der wichtigste Content Provider im Schnitt 2.400 eigenproduzierte, journalistisch hochwertige TV-Beiträge pro Monat für 17 private Medienhäuser und 45 Medienportale zur Verfügung – vor allem News, Regionales und Society. Diese Videos werden gemeinsam vermarktet. Wir brauchen einen gemeinsamen österreichischen Schulterschluss gegen die Übermacht der internationalen Internet-Giganten.

STANDARD: Der Medienminister sieht die Funktion des ORF in dieser gemeinsamen digitalen Plattform als Schuhlöffel und Steigbügelhalter für private Medien. Wie klingt das für den Onlinechef des ORF?

Prantner: Im Sinne des Gesamtkonzerns ORF halte ich das für machbar und umsetzbar, wenn das gleichzeitig bedeutet, dass die Filetierungs- und Beschädigungsattacken mancher Privat-TV-Vertreter gegen den ORF ein Ende habe und sichergestellt wird, dass der ORF als modernes öffentlich-rechtliches Medienunternehmen in seinem gesamten Leistungsspektrum erhalten bleibt.

STANDARD: Nun gibt es seit einem Jahr die Videoplattform von ORF und privaten Medien über die APA, wo sich ORF und Private schon Einnahmen um ORF-Videos teilen. Wieviel Geld spielt die Plattform denn für den ORF beziehungsweise die Privaten ein?

Prantner: Die Austria Video Plattform liegt zentral in der Verantwortung der APA, daher ist sie hier primär Ansprechpartnerin. Der ORF leistet jedenfalls einen wichtigen Beitrag zum Erfolg dieser Plattform.

STANDARD: Sie waren schon Onlinedirektor des ORF, seit 2012 sind Sie stellvertretender Direktor in der ORF-Technik. Wo sehen Sie ihre künftige Rolle – der ORF soll ja nach den Vorstellungen der neuen Regierung einen Vorstand mit mehreren Mitgliedern bekommen statt des bisherigen Alleingeschäftsführers?

Prantner: Ich habe als stellvertretender Direktor für Technik, Online und neue Medien einen Vertrag bis Ende 2021. Sollte es zu gesetzlichen Änderungen inklusive einer neuen Führungsstruktur kommen, ist die Situation neu zu bewerten.

STANDARD: Sie haben im Frühjahr 2017 mit einem "Profil"-Interview für Aufregung und Befremden gesorgt, als Sie Interviews in ORF-Nachrichten – gemeint wohl vor allem die "ZiB 2" – mit "Verhörräumen" und "Anklagebänken" beschrieben. Sehen sie diese "Verhöre" und "Anklagen" auch heute noch im ORF-Fernsehen?

Prantner: Mein damaliges "Profil"-Interview hat zahlreiche Reaktionen – von Ablehnung bis Zustimmung – hervorgerufen. Zu diesem Thema ist meinerseits alles gesagt.

STANDARD: Was wurde eigentlich aus den Überlegungen des ORF für einen Youtube-Channel – und was halten Sie davon?

Prantner: Das rechtliche Verfahren läuft derzeit noch, danach werden wir bezüglich einer Umsetzung Stellung nehmen. (Harald Fidler, 10.1.2018)