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Die Beobachterin: Außenministerin Karin Kneissl bei Armin Wolf in ORF 2

10. Jänner 2018, 14:57

Man konnte glauben, da sitze jemand, der mit der Regierung nicht viel zu tun hat

Eigentlich war die neue Außenministerin Karin Kneissl am Dienstag Studiogast bei Armin Wolf in der ZiB 2. Doch man konnte glauben, da sitze jemand, der mit der Regierung nicht viel zu tun hat. Liegt das an der jahrelang in Funk und Fernsehen eingeübten Rolle als Expertin, oder reden die neuen Kollegen nicht wirklich viel mit ihr?

Das würde erklären, warum Kneissl erst nach mehrmaliger Nachfrage Wolfs sagen konnte, sie sei "Teil des FPÖ-Regierungsteams". Wolf musste sie in dem Interview, das online in einer Langversion zu sehen ist, erst darauf hinweisen: "Sie lassen das Wort FPÖ immer weg." Jedenfalls beobachtet die neue Ministerin recht viel: auch ihre eigenen Aufgabenbereiche, als stünde sie neben sich. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache meinte im Wahlkampf, es wäre gut, wenn Österreich Teil der Visegrád-Gruppe würde. Doch ihre erste Reise führte sie nicht deshalb nach Bratislava. "Meiner Beobachtung nach wollen die V4 unter sich bleiben", sagte Kneissl. Aber wolle Österreich denn beitreten?, hakte Wolf nach. "Die Situation, so wie ich sie beobachte, ist, dass wir nicht Mitglied der V4 werden", so Kneissl.

Interessant ist auch ihre Beobachtung der Geschichte. Gefragt, ob man Flüchtlinge überhaupt integrieren wolle, wenn Asyl nur auf Zeit gelte, meinte Kneissl, das "Individuum" könne die Zeit im "Gastland" ja nützen, um Sprache und Fertigkeiten zu lernen. Auch "Österreicher", meinte Kneissl lächelnd, und es klang, als spreche sie von einer Bildungskarenz in Brighton, "die im Zweiten Weltkrieg nach Großbritannien, Frankreich oder wohin auch immer geflohen waren, nützten diese Zeit und kamen zurück". Nicht alle kamen zurück. Aber das ist eine andere Geschichte. (Colette M. Schmidt, 10.1.2018)