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Angolas Präsident inszeniert sich als Politikputztrupp

11. Jänner 2018, 08:00

João Lourenço geht gegen die Familie seines Vorgängers vor. Aber es gibt Zweifel an der "Revolution von innen"

Luanda/Wien – Zuerst hat er sich gegen seinen politischen Ziehvater gewandt, und nun stellt er sich auch noch der Presse. Das hatte man im Land bisher so nicht gekannt. Angolas Präsident João Lourenço weiß seine Landsleute auch dreieinhalb Monate nach seinem Amtsantritt im September zu überraschen. Der Staatschef inszeniert sich als Ein-Mann-Putztrupp für Korruption und hat dafür in der Auslandspresse schon einiges an Anerkennung bekommen. Dabei ist vieles von dem, was er tut, vor allem demonstrativ zur Schau gestellte Normalität: Einmal lässt er sich im ausgeleierten Polohemd am Strand fotografieren, dann stellt er sich bei KFC an, um eigenhändig Hühnerstücke zu bestellen. Besonders gern wettert er bei Auftritten gegen Korruption.

Anfang der Woche folgte das nächste Stück der Inszenierung: Vor hundert Journalisten philosophierte der Staatschef von Afrikas zweitgrößtem Ölexporteur darüber, wie sich das von Wirtschaftssorgen geplagte Land von Korruption befreien könne – die Pressekonferenz war eine weitere jener Neuerungen, die bei vielen Angolanern gut ankommen.

Der frühere Chef als Ziel

Sogar sein Vorgänger, José Eduardo dos Santos, der in seinen 38 Amtsjahren unangreifbar schien, könnte Ziel werden. Seine Familie hat es schon erwischt: Isabel dos Santos, Tochter des Ex-Präsidenten und reichste Frau des Kontinents, musste ihren Führungsposten beim Staatsölkonzern Sonangol räumen. Mehrere Funktionäre wurde von ihren Stellen entfernt, Lourenço stellte ihnen eine Frist für die Rückzahlung des gestohlenen Geldes. Am Mittwoch war dann auch José Filomeno dos Santos an der Reihe, auch er wurde entlassen. Der Sohn des Ex-Präsidenten war Chef des mit fünf Milliarden US-Dollar dotierten Staatsfonds.

Dass Lourenço so offensiv gegen seine Vorgänger vorgeht, überrascht: Immerhin hatte ihn dos Santos selbst als Nachfolger installiert. Genau aus diesem Grund gibt es auch viele, die an der angolanischen "Revolution von innen" zweifeln. Sie wittern PR: Immerhin hatte die Regierungspartei MPLA bei den Wahlen im August deutlich verloren, Lourenço weiß, dass eine Kampagne gegen dos Santos populär ist. Ob sie auch ernst gemeint ist, wird sich erst zeigen, wenn den Ermittlungen auch Anklagen folgen – und wenn die streng kontrollierte Presse größere Freiheiten bekommen sollte. (Manuel Escher, 11.1.2018)