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Italienerin Eva Sangiorgi ist neue Viennale-Direktorin

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11. Jänner 2018, 14:18

Sangiorgi wird Chefin des größten österreichischen Filmfestivals. Mit der Festivalgründerin und Kuratorin sei "die Beste aller Besten" gefunden worden

Wien – Das größte österreichische Filmfestival hat eine neue künstlerische Leitung. Die kommende Viennale (25.10. bis 8.11.) wird unter der Direktion der gebürtigen Italienerin Eva Sangiorgi über die Bühne gehen. Eine "gute Form der Übergabe" nach dem überraschenden Tod des langjährigen Viennale-Leiters Hans Hurch sah der in die Entscheidungsfindung eingebundene Wiener Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) dadurch gegeben – und betonte mehrfach die Bedeutung einer internationalen Bestellung für das Festival als "Gegensignal in Zeiten aufkommender Nationalismen". Die internationale Ausrichtung im zunehmend vernetzten Festivalbetrieb solle zukünftig noch stärker betont werden. Auch über den Umstand, dass mit der Bestellung der 39-jährigen Sangiorgi eine Verjüngung des Festivals gegeben sei und somit erstmals eine Frau die Viennale als große Kultureinrichtung leitet, zeigte man sich erfreut.

Als "selbstverständlich" betrachtet Mailath-Pokorny die Weiterführung von Kooperationen der Viennale mit anderen Einrichtungen wie etwa mit dem Österreichischen Filmmuseum, die Subvention in der Höhe von rund 1,5 Millionen Euro sowie den Verbleib der etablierten Wiener Innenstadtkinos als Spielstätten.

Kreative Aufmerksamkeit

Sangiorgi, seit sieben Jahren an der Spitze des internationalen Festivals Ficunam in Mexiko-Stadt, präsentierte erste Ideen für den Herbst: So soll etwa die derzeitige Programmstruktur modifiziert und die Trennung von Spiel- und Dokumentarfilmen als "nicht mehr zeitgemäß" aufgehoben werden. Allabendliche Gespräche sollen verstärkt eine Vermittlerfunktion zwischen Filmemachern und Publikum erfüllen und eine erhöhte Aufmerksamkeit auf Kreative aus anderen Disziplinen – etwa aus der bildenden Kunst – gelegt werden. Bleiben soll die Viennale wie bisher ein mittelgroßes Festival ohne Wettbewerb.

Die Tatsache, dass das Prozedere der Bestellung im Vorfeld für Diskussionen sorgte, indem seitens der Viennale bereits vor der Entscheidungsfindung eine internationale Lösung als "fantastisch" bezeichnet wurde, die auch Hans Hurch "bevorzugen würde", werteten Viennale-Interimsdirektor Franz Schwartz und Geschäftsführerin Eva Rotter als österreichische Debatte: Wichtiger sei es gewesen, sich in keiner Weise von der Nationalität beeinflussen zu lassen. Man habe, so Schwartz, unter den zwölf nationalen und achtzehn internationalen Bewerbungen mit Sangiorgi "die Beste der Besten gefunden". Ebenso habe man sich, wie Mailath-Pokorny betonte, "keine Vorgabe und weder Ein- noch Ausschränkung" auferlegt.

Auf Sangiorgi warten jedenfalls große Herausforderungen. Die Viennale, seit Jahrzehnten von der Persönlichkeit Hans Hurchs und dessen individuellen Vorlieben dominiert, wird sich als Publikumsfestival einer neuen Agenda verschreiben müssen, um der wachsenden Konkurrenz zu begegnen und die immer schwieriger werdende Übersicht über die Vielzahl an internationalen Produktionen nicht zu verlieren.

Für die nächsten drei Jahre wird das Eva Sangiorgis Aufgabe sein. (Michael Pekler, 11.1.2018)