Foto: Gavin Mouldey

Überreste einer grabenden Riesenfledermaus entdeckt

12. Jänner 2018, 06:00

Vulcanops jennyworthyae wog zu Lebzeiten über 40 Gramm und unterschied sich deutlich von heutigen Verwandten

Wellington – Fledermäuse stellt man sich üblicherweise entweder kopfüber hängend oder durch die Nacht flatternd vor. Tatsächlich aber sind manche Arten auch auf dem Boden unterwegs, um nach ihrer Beute zu graben: Auf Neuseelands Südinsel haben Paläontologen nun das Fossil einer mehrere Millionen Jahre alten, ausgestorbenen Riesenfledermaus entdeckt, die ebenfalls in der Erde grub. Zähne und Knochen des Tieres seien aus 16 bis 19 Millionen Jahre alten Bodensedimenten nahe dem Ort St. Bathans geborgen worden, berichten die Forscher im Fachmagazin "Scientific Reports".

Größer als rezente Arten

Mit einem geschätzten Gewicht von etwa 40 Gramm sei die neu entdeckte Spezies die größte bisher bekannte grabende Fledermaus und dreimal größer als durchschnittliche Exemplare, berichten die Wissenschafter um Suzanne Joan Hand von der University of New South Wales, die an der Expedition beteiligt war. Der Fund unterstreiche die Artenvielfalt, die im urzeitlichen Neuseeland und gerade in der Gegend um St. Bathans sowie um den prähistorischen See Manuherikia in damals subtropischem Klima geherrscht habe.

Grabende Fledermäuse, die fliegen und auch auf allen Vieren nach Futter suchen können, existieren heutzutage nur noch in Neuseeland. Das fossile Exemplar gehörte zu einer Gruppe von Fledermäusen, die einst vom südlichen Australien und Neuseeland bis hin nach Südamerika und möglicherweise auch in der Antarktis vorkamen, wie die Wissenschafter berichten. Diese Gebiete hätten vor etwa 50 Millionen Jahren zum Großkontinent Gondwana gehört. Nach dessen Auseinanderbrechen und im Zuge kühlerer Temperaturen seien die Fledermäuse in Australien und Neuseeland von denen in Südamerika getrennt worden.

Lücken in der Evolutionsgeschichte

Die nun entdeckte Art erhielt den Namen Vulcanops jennyworthyae – nach dem Teammitglied Jenny Worthy, die das Fossil fand, sowie dem historischen "Vulkan"-Hotel in St. Bathans und nach Vulcanus, dem römischen Gott des Feuers. Wissenschafter aus Australien, Neuseeland, Großbritannien und den USA hatten an den Ausgrabungen teilgenommen.

"Diese merkwürdige fossile Fledermaus ist völlig anders als die Fledermäuse, die heutzutage in Neuseeland leben", sagte Robin Beck von der Universität Salford. "Das zeigt, dass uns ein großer Teil ihrer Evolutionsgeschichte fehlt – ich glaube, wir können in Zukunft noch mehr Überraschungen von diesem Fundort erwarten". (APA, red, 12.1.2018)