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Studie sieht Zahl der Ausrichter Olympischer Winterspiele schwinden

12. Jänner 2018, 10:44

Selbst bei Einhaltung des Pariser Abkommens wären langfristig nur in 12 von 21 bisherigen Orten weitere Winterspiele möglich

Innsbruck – Der Klimawandel setzt auch den Olympischen Winterspielen zu. Zahlreiche bisherige Austragungsorte der Spiele könnten es in Zukunft schwierig haben, das Wintersport-Großereignis erneut auszurichten. Zu diesem Ergebnis kommt eine internationale Studie, an der auch Tourismusforscher Robert Steiger von der Universität Innsbruck mitgearbeitet hat.

"Die Rahmenbedingungen für den Wintersport verändern sich. Dies betrifft auch den Hochleistungssport, der immer häufiger vom Klimawandel an Trainings- wie Wettkampforten beeinträchtigt wird", erklärte Mitautor Steiger vom Innsbrucker Institut für Finanzwissenschaften in einer Aussendung. "Immer weniger Orte werden in Zukunft Olympische Winterspiele ausrichten können, wenn die globale Erwärmung weiter zunimmt."

Immer weniger Austragungsorte möglich

Wenn die globalen Treibhausgasemissionen nicht drastisch gesenkt werden, würde es bis zum Ende dieses Jahrhunderts nur in acht der bisherigen 21 Austragungsorte von Winterspielen kalt genug für eine neuerliche Austragung sein. Sollte die Verpflichtung zur Reduktion der Treibhausgasemissionen im Rahmen des Pariser Klimaabkommens eingehalten werden, wären es laut Studie zwölf.

Aus für Vancouver oder Sotschi

Frühere Gastgeber wie Squaw Valley in den USA, Vancouver oder Sotschi würden aus der Liste fallen. "Der Klimawandel verändert die Geografie der Olympischen Winterspiele", sagte Steiger. "Die Entscheidungen des Internationalen Olympischen Komitees über die Vergabe von Spielen wird immer schwieriger werden. Und einige Regionen sollten sich besser früher als später bewerben, wenn sie zukünftige Winterspiele ausrichten wollen."

Selbst für die zweimalige Olympiastadt Innsbruck (1964 und 1976) könnte es auf lange Sicht eng werden. In Tirol hat sich die Bevölkerung im Oktober in einer Volksbefragung gegen eine Bewerbung um die Spiele 2026 ausgesprochen.

Die Winterspiele 2010 in Vancouver und 2014 in Sotschi fanden in vergleichsweise warmen Regionen statt. "Es gibt Grenzen, was die aktuellen Strategien zur Minderung des Wettereinflusses bei Großveranstaltungen leisten können, und bei den letzten Olympischen Winterspielen haben wir gesehen, dass diese Grenzen überschritten wurden", erklärte Studienleiter Daniel Scott von der Universität Waterloo in Kanada.

Die Forschergruppe hätte vorausgesagt, dass Wetter- und Schneeverhältnisse bei den Spielen vor vier Jahren in Russland eine Herausforderung werden würden. "Prognosen, die sich bewahrheitet haben, wie die Zahl der abgesagten Trainingseinheiten und die Beschwerden von Athletinnen und Athleten über wechselhafte und unsichere Bedingungen gezeigt haben", meinte Scott.

In Pyeongchang stabil kalt

Die Winterspiele in einem Monat in Pyeongchang in Südkorea gehen in vergleichsweise kälteren Gefilden über die Bühne – genauso wie die folgenden 2022 in Peking mit den Bergregionen Yanqing und Zhangjiakou. Dort sollten die Spiele "auch unter sehr warmen Klimaszenarien eine sehr stabile Zukunft haben", prognostizierte Yan Fang von der Universität Peking. (APA, red, 12.1.2018)