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Trump will nicht nach London und gibt Obama die Schuld

12. Jänner 2018, 12:51

Offiziell hält er den Neubau der US-Botschaft für einen "schlechten Deal". Doch auch die Sorge vor Protesten spielt eine Rolle

Der Londoner Stadtteil Vauxhall am südlichen Themse-Ufer ist Reisenden vor allem als trendiges Ausgehviertel bekannt, alte Stadthäuschen und neuerdings mehr und mehr Hochhäuser prägen das Bild. In Mayfair hingegen sieht London noch genauso aus, wie royale Nostalgiker es sich vorstellen: opulent, wohlhabend, saturiert.

Dass die US-Botschaft künftig anstatt im edlen Ambiente Mayfairs in dem Boomviertel auf der anderen Seite des Flusses angesiedelt sein soll, stößt Präsident Donald Trump offenbar so sauer auf, dass er eine – bisher ohnehin nur vage angekündigte – Reise nach Großbritannien absagte.

"Schlechter Deal, sollte einweihen – NO!" Die alte Botschaft sei wahrscheinlich die schönste und am besten gelegene in London gewesen. Sie sei für "peanuts" verkauft worden, nur um eine neue Vertretung in einer abgelegenen Gegend zu bauen, twitterte der US-Präsident.

Während Trump seinen Vorgänger Barack Obama für den "schlechten Deal" verantwortlich macht, vermuten Beobachter einen ganz anderen Grund für Trumps Reisemüdigkeit. Erstens sei der Umzug der Botschaft nach Vauxhall schon im Oktober 2008 "aus Sicherheitsgründen" beschlossen worden, also noch während der Amtszeit von George W. Bush.

Und zweitens sorge sich Trump weit mehr vor Großdemonstrationen in London, die im Fall seines Besuchs drohen. 1,8 Millionen Briten hatten im Vorjahr eine Petition unterzeichnet, die den angekündigten Staatsbesuch Trumps bei Königin Elizabeth II. verhindern sollte.

Eine Milliarde Dollar Kosten

Das nun seiner Einweihung harrende, würfelförmige und eine Milliarde Dollar teure Gebäude wurde laut dem Washingtoner Außenministerium vollständig durch den Verkauf anderer US-Immobilien in London finanziert.

Der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan, der schon nach den Terroranschlägen in seiner Stadt vergangenen Sommer virtuell mit Trump aneinandergeraten war, zeigt sich in einer Reaktion auf Twitter zufrieden. Vielen Londonern sei der US-Präsident in der Stadt nicht willkommen. Dieser habe die Botschaft offenbar verstanden, schrieb Khan.

May-Sprecher: "Trump willkommen"

Ein Sprecher der britischen Premierministerin Theresa May hingegen betonte, Trump sei in London willkommen und habe eine Einladung bereits angenommen. Ein Datum sei aber noch nicht festgelegt worden, fügte er an. "Die USA sind einer unserer ältesten und wertvollsten Verbündeten und unsere tiefe und starke Partnerschaft wird andauern." (flon, 12.1.2018)