Mutter verkaufte Sohn in Deutschland um tausende Euro an Pädophile

12. Jänner 2018, 14:57

Für mehrere Tausend Euro konnte man Bub buchen – Täter reisten hunderte Kilometer

Freiburg – Wie eine Ware soll ein Bub in Deutschland von seiner Mutter im Internet zum Missbrauch angeboten worden sein. Immer wieder sind Pädophile in den Raum Freiburg gereist. Was sie dem Neunjährigen seit 2015 angetan haben sollen, machte selbst erfahrene Ermittler sprachlos. Erst nach einem anonymen Hinweis konnte das Martyrium des Kindes im vergangenen Herbst beendet werden.

Lebensgefährte einschlägig vorbestraft

Auch die Frau (47) lebte nach Angaben der Ermittler ihre schmutzigen Fantasien an ihrem Buben aus – zusammen mit ihrem zehn Jahre jüngeren Partner. Der Mann ist einschlägig vorbestraft. Beide sollen das Kind sexuell misshandelt sowie Männern aus dem In- und Ausland für Vergewaltigungen überlassen haben. Für mehrere tausend Euro konnte man das Opfer buchen, auch für mehrere Tage. Acht Verdächtige, darunter die Mutter und ihr Lebensgefährte sowie ein im November 2017 in Vorarlberg festgenommener Schweizer, sitzen in Untersuchungshaft.

Keine Auffälligkeiten in der Schule gemeldet

Niemand will die mindestens zwei Jahre dauernden Übergriffe auf den Buben bemerkt haben. "Es gab keine Anzeichen", sagte die Sprecherin der Polizei Freiburg, Laura Riske. In der Schule habe es keine Auffälligkeiten gegeben – es wurden der Polizei zumindest keine gemeldet. Auch Nachbarn oder andere bekamen demnach nichts mit. Erst durch den anonymen Hinweis stießen die Ermittler nach eigenen Angaben auf internationale Geschäfte von Pädophilen.

Buchen, zahlen, vergewaltigen

Angeboten wurde das Kind wie Ware, so die Ermittlungen: buchen, zahlen, vergewaltigen. "Die Täter reisten teilweise über mehrere Hundert Kilometer an, um die Verbrechen zu begehen", berichtete Michael Mächtel von der Freiburger Staatsanwaltschaft. Seine Behörde hat den Fall am Donnerstag öffentlich gemacht. Ihre perversen Taten im Großraum Freiburg sollen sie auch gefilmt haben.

Deals im Darknet

Für die widerwärtigen Deals nutzten die Verdächtigen unter anderem das sogenannte Darknet, wie das Landeskriminalamt (LKA) in Stuttgart erklärt. Das ist ein verborgener Teil des Internets – womöglich blieben die Taten deshalb so lange unentdeckt.

Die Mutter ist laut Freiburger Polizei zuvor nicht mit dem Gesetz in Konflikt gekommen und war für die Behörden ein unbeschriebenes Blatt. Die Frage, ob das Jugendamt einen Blick auf die Familie hatte, blieb am Freitag unbeantwortet. Die Behörde wolle sich zu dem Thema öffentlich derzeit nicht äußern, sagte ein Sprecher.

Einige der Verdächtigen einschlägig vorbestraft

Einige der Verdächtigen sind nach Angaben der Staatsanwaltschaft Freiburg wegen schwerer Misshandlung von Kindern vorbestraft. Unter ihnen ist ein 43-Jähriger aus Schleswig-Holstein. Er reiste der Polizei zufolge extra nach Karlsruhe, um den Neunjährigen zu vergewaltigen. Die Ermittler kennen den Mann: Er war laut Staatsanwaltschaft vom Landgericht Kiel wegen Kindesmissbrauchs zu fünf Jahren und acht Monaten Gefängnis verurteilt worden, büßte seine Haftstrafe ab und stand seit 2015 unter sogenannter Führungsaufsicht der Behörden. Im Internet war er dennoch aktiv. (red, APA, 12.1.2018)