Foto: Matthias Cremer

Wie die Meinls um den "Mohren" stritten

13. Jänner 2018, 15:00

Die Kooperation von Banker Julius Meinl V. mit Karl-Heinz Grasser und der Immo-Gesellschaft Meinl European Land erregten bei den "Lebensmittel-Meinls" Unwillen

Wien – Die Causa Buwog wirft, durch die Involvierung von Exfinanzminister Karl-Heinz Grasser, auch Schlaglichter aufs Firmenreich der Familie Meinl – und Streitigkeiten derselben. Grasser beteiligte sich nach seinem Ausscheiden aus der Politik, mit Privatbanker Julius Meinl V. / Meinl-Bank und Ex-Verbund-Chef Hans Haider, an der Managementgesellschaft (MPM) des Energiefonds Meinl International Power (MIP). Das "Schwiegermuttergeld" – 500.000 Euro, die er von Marina Giori-Lhota zum Veranlagen bekommen haben will – brachte Grasser persönlich zur Meinl-Bank, vom dortigen Konto floss es weiter. "Seit Grasser begonnen hat, mit uns zu arbeiten, haben die Probleme angefangen", sollte ein Meinl-Bank-Manager in einer Einvernahme 2012 sagen.

Die öffentlichkeitswirksame Kooperation von Julius Meinl V. mit dem Exminister und die eigenen Probleme des Bankers rund um den Absturz der Meinl European Land (MEL) sorgten in der alteingesessenen und auf Diskretion bedachten Unternehmerfamilie für Unmut – und löste eine Auseinandersetzung aus.

Zwei Zweige

Kurz zur Orientierung: 1862 gründete Julius Meinl I. das Unternehmen, 1999 wurde das österreichische Filialgeschäft der Lebensmittelkette verkauft. Julius Meinl V. hatte sich schon davor dem Bankgeschäft verschrieben. Der "Lebensmittelzweig" ist unterm Dach der Wiener Julius Meinl Industrieholding (JMIH) zu finden, die mit Kaffee, Tee und Marmelade ihre Geschäfte macht, mit 16 Gesellschaften in rund 70 Ländern und mit 650 Mitarbeitern. Logo der Marke Meinl ist seit Gründung der "Julius Meinl Mohr", der nach diversen Modernisierungen laut JMIH-Homepage übrigens "in der österreichischen Architektur weit verbreiteten europäischen Barockengeln ähnelt".

Ende 2009 hatte es bei Meinl-Markenrechten diverse Änderungen gegeben. Eine Markenrechtsübertragung von der JMIH an die Excellent Brands JMI Ltd. (EB) im Schweizer Baar erfolgte damals unter Zeitdruck, da sie im Umfeld eines möglichen Insolvenzfalles abgewickelt wurde. Gemäß Unterlagen, die auch in der Buwog-Causa auftauchen, fürchtete man, dass "im schlimmeren als schlimmsten Fall Geld und Marke weg" sein könnten. So weit ist es aber nicht gekommen, die Marke wanderte offenbar zur EB.

Aus dem Markenrecht-Register ist ersichtlich, dass dieser Gesellschaft viele der vielen Meinl-Markenrechte gehören.

"Meinl Mohren" auf der Homepage

Allerdings hat auch die Meinl-Bank dem "Meinl Mohren" verwendet, zum Beispiel auf ihrer Homepage. Das dürfte den Verwandten des Bankers, der wegen des MEL-Skandals im Frühling 2009 einen Tag in Untersuchungshaft verbringen hatte müssen, nicht sehr gefallen haben.

Ende Jänner 2010 jedenfalls forderte Thomas Meinl senior, Onkel von Julius Meinl V. und Urenkel des Firmengründers, seinen Neffen und Vorstandsmitglieder der Privatbank schriftlich unmissverständlich, aber höflich auf, das Logo nicht mehr zu verwenden.

Man schlage vor, "das prominente Meinl-Mohr-Logo" von der Meinl-Bank-Homepage zu entfernen. Es könnte "sinnvoll" sein, das Vermögen der "Meinl Coffee Company" von jenem der Meinl-Bank in der öffentlichen Wahrnehmung zu trennen, hieß es in dem Schreiben, das auch an einen Rechtsanwalt gegangen ist.

Rückzug aus Vorsicht

Der damalige Meinl-Bank-Manager Peter Weinzierl, schrieb am nächsten Tag einen knappen Einzeiler zurück, man sehe "keinen Grund" für das Ansinnen, meinte er sinngemäß. Auf der anderen Seite löste das offenbar einen vorsichtigen Rückzug aus. Man dürfe sich zwar nicht zu schnell beeindrucken lassen, den Versuch sei es jedenfalls wert gewesen, reagierte ein Schweizer Wirtschaftsprüfer der Meinls. "Die Industrie", also die JMIH, solle prüfen, ob die Bank wirklich keine Nutzungsrechte für die Marke habe, sonst stehe sie nämlich schlecht da.

Letztlich einigten sich die Meinls offenbar, das "Mohren-Logo" ist dann jedenfalls aus der Bank verschwunden. (Renate Graber, 14.1.2018)