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Frankreichs Chirac

entspricht dem Prototyp einer schnellen Informationswatschen

Warum verwenden Journalisten Formeln wie "Frankreichs Chirac" oder "Italiens Berlusconi"? Weil sie Platz sparen wollen. "Deutschlands Schröder" hat nicht einmal halb so viele Zeichen wie "der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder", "Russlands Putin" ist um Häuser kürzer als "der russische Staatspräsident Wladimir Putin".

Nachteil der Einsparung von Vornamen und Funktionsbezeichnung: Klingt klobig und rotzig zugleich. Erzeugt bei sensiblen Lesern den Gefühl, sie bekämen eine schnelle Informationswatschen übers Ohr gezogen. Besonders problematische Einzelfälle: "Amerikas Bush" klingt obszön, "Chinas Hu" zum Fürchten, und "Wiens Häupl" nach einem Gemüse.

Von
Christoph Winder

Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.

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