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Die Saison der Langfinger

hat zugleich mit dem Beginn der Badezeit begonnen, warnt die Kronenzeitung

Wer also im Krapfenwaldl oder sonstwo ins „kühle Nass“ springt, sollte sich vorher vergewissert haben, dass es kein „Langfinger“ auf sein „Geldbörsl“ unter dem Badetuch abgesehen hat. Im sprachlichen Universum der Krone ist der „Langfinger“ ein charakteristischer Abgesandter aus dem Reich des Bösen, genauso wie der „Unhold“, der „Wüstling“ und der „Feuerteufel“ (zum Reich des Guten gehören bekanntlich alle „Vierbeiner“, Dackel, Katzen, Kleinkinder und Hans-Peter Martin).

Das Bemerkenswerte an den „Langfingern“ und Konsorten ist, dass sie im allgemeinen Sprachgebrauch so gut wie ausgestorben sind - Ihr Chronist kann sich beim besten Willen nicht daran erinnern, dass er in den vergangenen Jahrzehnten je anderswo als in der Krone von einem „Langfinger“ gelesen hätte. Und auch nicht gehört: Eine Gesprächseinleitung vom Typus „Du, gestern hat mir in der Straßenbahn ein Langfinger das Börsl gestohlen“ dürfte so häufig sein wie ein weißer Elefant. Aber das ficht die Krone in ihrem geriatrischen Starrsinn nicht an. Die Jugend vergeht, Geschlechter sinken dahin, Reiche fallen in Schutt und Asche: Die Krone aber wird an ihrem „Langfinger“ festhalten bis zum Jüngsten Tag.

Von
Christoph Winder

Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.

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