Dankbar

28. Juni 2005, 11:11

Eine sprachliche Marginalie zur FP-Spesenaffäre

Ihr Chronist, ein politisch interessierter Mensch, verfolgt mit Interesse und Heiterkeit, wie FPÖ und BZÖ intensiv und in aller Öffentlichkeit an der Aufhellung ihrer gemeinsamen Spesenvergangenheit arbeiten.

Und es geht ja auch etwas weiter: Das "Profil" berichtet diese Woche, dass die Staatsanwaltschaft Vorerhebungen gegen die frühere Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer einleiten und überprüfen wird, ob Anlass für weitergehende Untersuchungen zu den möglichen Straftatbeständen der Veruntreuung und Steuerhinterziehung besteht. Von "Profil" danach befragt, ob sie schon Kontakt mit dem Staatsanwalt gehabt habe, antwortet Riess-Passer: "Bisher nicht. Aber ich bin sehr dankbar dafür, dass ich dort jetzt endlich auch meinen Standpunkt darlegen kann".

Das glaub ich ihr aufs Wort. Man kann es sich blendend vorstellen, wie die Vorladung der Staatsanwalts auf den Cheftisch bei Wüstenrot gelegt wird und sogleich ein warmes Gefühl tiefer Dankbarkeit in Frau Riess-Passer hochsteigt. Vielen herzlichen Dank! Endlich, endlich kann auch sie ihren Standpunkt darlegen! Es handelt sich um die typische Denk- und Formulierungsweise einer konstruktiven Persönlichkeit, wie man sie in FPÖ und BZÖ bekanntlich zuhauf antrifft.

Schade nur, dass Frau Riess-Passer nicht gleich nach der Beendigung ihrer politischen Karriere Selbstanzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet hat. Dann hätte sie den Hochgenuss dieses Dankbarkeitsempfindens schon viel früher haben können.

Von
Christoph Winder

Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.

Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an
christoph.winder@
derStandard.at
.