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Aber hallo!

Aversionen kann man gegen alles Mögliche haben - auch gegen Aussprüche

Jeder hat seine Achillesferse. Die einen haben es nicht gern, wenn man mit einem Kreidestück über eine Schiefertafel kratzt, andere sind allergisch gegen volkstümliche Musik, und Leser L. W. hat Schwierigkeiten, wenn er die Interjektion "Aber hallo!" hört.

In einem Mail an dieses Wörterbuch schreibt er: "Ganz, ganz übel ist die oft gehörte Phrase: ,Aber Hallo!’ als Ausruf des erstaunten Protests. Gleichzeitig wird damit erstens zum Ausdruck gebracht, dass der Angesprochene in einer Art geistiger Umnächtigung daherredet und daher mit einem ,Aber Hallo!’ (Betonung beim Hallo auf erster Silbe) erst aus seinem geistigen Elend erweckt werden muss. Und zweitens bringt der Ansprechende damit deutlich zum Ausdruck, seinem Gegner völlig geistig und argumentativ überlegen zu sein. Vielleicht nur mein persönlicher Eindruck, aber ich find es schlimm."

Mal sehen, ob Herr L. W. mit dieser Aversion alleine da steht oder ob ihm andere Leser gefühlsmäßig dabei folgen können.

Von
Christoph Winder

Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.

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