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Da muss man durch

Eine Formel des Fatalismus

Das Finanzamt will die Steuererklärung für das vergangene Jahr möglichst noch gestern haben? Da muss man durch. Die pubertierende Tochter kündigt an, dass sie lieber mit der Schule aufhören und heiraten wird? Da muss man durch. Die Katze hat Keuchhusten und gehört dringend zum Tierarzt? Da muss man durch.

„Da muss man durch“ ist ein jüngerer sprachlicher Ausdruck für die unvermeidlichen Wechselfälle des Lebens, für die Schwierigkeiten, denen man nicht entkommt. „Da muss man durch“ beschreibt ein Lebensgefühl, das jeder Mensch beim Geborenwerden das erste Mal erfährt – eine sehr existenzielle Metapher also, die nach meinem Empfinden dennoch weit salopper wirkt als „Daran führt kein Weg vorbei“.

Eine heitere Erweiterung der Standardformel lese ich auf der Homepage der Heinrich-Hertz-Oberschule in Berlin:„Da muss man durch als Lurch“. Vielleicht hat auch der eine oder andere Leser etwas mitzuteilen: Zum geografischen und sozialen Verbreitungsgebiet des Durchmüssens etwa, oder auch andere hübsche Formulierungen, die denselben Sachverhalt ausdrücken.

Von
Christoph Winder

Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.

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