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Müsli

Mit Biokochbuch und Tocotronic-CD

Das Müsli gibt es seit Herrn Doktor Bircher-Brenner, aber was ist eigentlich mit dem Müsli los? Dazu erreicht mich das folgende Mail: "Der Begriff "Müsli" existiert auch in den Variationen ,Ökomüsli’ und ,Müsliriegel’ und bezieht sich auf eine - ethnologisch noch unzureichend erfasste Subkultur von eher jugendlichen, urbanen wie suburbanen Yassir-Arafat-Schal- und Cordhosenträgern, deren kleinster gemeinsamer Nenner der Besitz von mindestens einer Tocotronic-CD, einem Biokochbuch, gelegentlicher Konsum von weichen Drogen und eine starke Neigung zu geisteswissenschaftlichen Studienrichtungen ist.

Das ist jetzt vielleicht nicht so revolutionär; zumal in den 80ern diese halt als Alternative unterwegs waren. Nur dass in meiner Generation (der jetzt 20-Jährigen) diese auch schon mit 13 Jahren so herumgelaufen und zum Teil die Kinder besagter Alternativer sind. Diese Generation hat ihre völlig eigenen kulturellen Codes und verdient deshalb auch einen eigenen Namen. ,Müsli’ ist gebräuchlich, zumindest versteht man mich, wenn ich es sage, in Klagenfurt und an der Wiener Uni. Weitere phänomenologische Studien wären natürlich möglich."

Herzlichen Dank an Herrn A. F. für den Hinweis. Ihr mit dem Erfahrungsschatz des mittleren Lebensalters bepackter Chronist kann dazu beisteuern, dass es den Müsli – neben dem Alternativen - schon in den 80er Jahren gegeben hat (häufig auch in der abschätzigen Variante des "Müslifressers"). Womöglich kann ja auch noch der eine oder andere Leser phänomenologische Auskunft zu Müsliherkunft und Müsliverbreitungsgebiet beisteuern.

Von
Christoph Winder

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