Sargklappern

18. April 2006, 14:22

Aus der Praxis der Versicherungen

Kein Tag ohne Unheilsprophezeiung: Europa schrumpft, die Bevölkerungsentwicklung ist verheerend, die Alten werden immer mehr, die Jungen immer weniger, heißt es. Als Pensionisten werden also die meisten von uns, salopp gesagt, ganz schön in die Röhre schauen. Kein Wunder, dass das Angstsparen zu einem Breitensport geworden ist, und Versicherer und Fondsanbieter lassen nichts unversucht, um dieses aus Sorge und Unsicherheit gemischte Lebensgefühl auch noch kräftig anzuheizen.

Der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vom vergangenen Freitag entnehme ich, dass es sogar einen Ausdruck für diese Werbepraxis geben soll: "Das so genannte 'Sargklappern' ist ein alter und wirksamer Vertriebstrick der Versicherer. Die Aufrufe zum Angst-Sparen - nach dem Motto: Ihr werdet alle arme Schlucker sein - sind auch nicht völlig unberechtigt. Sie gehen aber mächtig auf die Nerven." Möglicherweise lässt sich daraus der Schluss ziehen, dass Unterhaltungen zwischen Versicherungskeilern von reichlich makaberem Charakter geprägt sein müssen: "Gehst Du mit auf ein Bier?". "Nein, ich muss noch eine Runde Sargklappern." Huhu!

Von
Christoph Winder

Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.

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