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Verbösern

Ein Lob der Vorsilbe "ver-"

Mit der Vorsilbe "ver-" lassen sich doch immer wieder die erstaunlichsten Wörter bilden, wie zum Beispiel verwoataggln, veroachkatzln, vertrotteln, verhonepipeln, verschlimmbessern oder ein Wort, auf das mich Leserin E. O. freundlicherweise aufmerksam gemacht hat: "Lieber Herr Winder, ich bin schon seit Monaten eine eifrige Leserin Ihres Wörterbuchs, und jetzt endlich bin ich auf ein Wort gestoßen, das vielleicht eine Eintragung wert wäre: ,verbösern’ (Gegenteil ,vergutern’ oder ,vernettern’?) Gefunden von meiner lieben Schwester auf folgender Internetseite: ...Verfahrensablauf/_start.htm

Ich glaube zwar nicht, dass das Teil des Juristenkauderwelschs ist, da mir als Juristin das Wort auch völlig neu war - aber wer weiß?" Ich habe für Frau E. O. im achtbändigen Duden nachgesehen, und dort steht, dass die "Verböserung" zweierlei Bedeutung hat: Zum einen ist sie ein Scherzbegriff für eine Korrektur, die das Gegenteil dessen bewirkt, was sie bezweckt, also eine Sache in der Absicht, sie zu verbessern, noch schlechter macht: "Durch das Einfügen dieses Absatzes hat er den Artikel nur verbösert". Zum zweiten ist die "Verböserung" aber auch ein Fachbegriff aus der Rechtssprache; sie meint die "Änderung einer gerichtlichen Entscheidung zuungunsten eines Betroffenen, der gegen die Entscheidung ein Rechtsmittel eingelegt hat". Merke: Wenn Sie gegen ein Urteil berufen, sollten Sie immer darauf achten, dass Sie es sich verbessern und nicht verbösern.

Von
Christoph Winder

Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.

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