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Pandephonium

Ein konfuser Moment mit dem Handy

Ihr Chronist hält sich derzeit in der Vereinigten Staaten auf, wo er neben allerlei journalistisch-politischen Agenden auch noch Zeit gefunden hat, ein paar Buchhandlungen zu durchstöbern. Dabei ist er auf ein interessantes Büchlein einer Autorin namens Barbara Wallraff gestoßen, welche sich, so sagt es der Klappentext, sowohl in „The Atlantic Monthly“ als auch im „New York Times Magazine“ mit Sprache und Wörtern auseinandersetzt. Sprachen, seien es nun die englische, die deutsche oder welche auch immer, sind immer nur ungenügende Wiedergabeinstrumente für die „Wirklichkeit“.

Das zeigt sich etwa daran, dass es für viele Phänomene des menschlichen Innenlebens und für viele Erscheinungen der äußeren Welt schlicht und einfach an Worten mangelt und oft umständlich umschrieben werden muss, was sich mit einem einzigen Begriff ökonomischer auf den Punkt bringen ließe – wenn es diesen Begriff denn gäbe.

Unter dem Titel „Word Fugitives“ hat Frau Wallraff eine Reihe von Neologismen zusammengetragen, die sie gemeinsam mit ihren Lesern für eine Reihe spezieller Bedarfsfälle entwickelt hat. Für den delikaten Augenblick zum Beispiel, da man zwei Personen einander vorstellen will, aber sich partout nicht an deren Namen erinnert, wurde „Persona non data“ vorgeschlagen. Leute, die gerne Schlagern einen obszönen Text unterlegen, könnte man „Songwronger“ oder „Perversifier“ nennen (was auf Deutsch dann wohl ein „Perversifikateur“ wäre).

Für die momentane Konfusion, die sich einstellt, wenn beim Ertönen eines Handy-Klingeltons jedermann erst einmal überprüft, ob das eigene oder ein anderes Handy läutet, wurde „Fauxcellalarm“ oder „Ringxiety“ vorgeschlagen. Am entzückendsten fand ihr Chronist aber den Ausdruck „Pandephonium“ für dieses täglich zu beobachtende Phänomen. Ihm (dem Ausdruck, nicht dem Phänomen) wünscht er auch im Deutschen die größte Verbreitung.

Ausständig sind auch noch Wörter für die Tendenz, Schirme zu vergessen, für den impulsiven Drang, mit einem Mal sämtliche Möbel in der Wohnung zu verstellen, oder aber für Lebensmittelreste (Steakfasern etc.), die sich zwischen den Zähnen verklemmen.

Von Christoph Winder
Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at.
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