Polit-Pokeranten

21. November 2006, 15:59

Die herabsetzende Kraft der Nachsilbe -ant

Diese Wortneuschöpfung verdanke ich Herrn Wolfgang Fellner aus – nein, nicht "aus", sondern von "Österreich", der Zeitung nämlich, die den alten Dichand so wahnsinnig aufregt, weil sich der Wofe gleich den Namen des ganzen Landes unter den Nagel gerissen hat und damit den politischen Alleinvertretungsanspruch der Krone unterminiert. "Pokerant" ist natürlich despektierlich gemeint, weil Fellner (alias Österreich) von diesem ganzen Herumverhandeln schon genug hat und endlich eine Regierung oder Neuwahlen sehen will.

Interessant ist die Art und Weise, wie diese abschätzige Note sprachlich erzeugt wird, nämlich durch die Verwendung der Nachsilbe –ant, welche keineswegs immer, aber in manchen Fällen wie beim "Negeranten" oder dem "Tschecheranten" eine negative Charakterwertung zum Ausdruck bringen kann. Vielleicht sollte man ja auch Bäcker, die schlechte Semmeln verkaufen, auf den Status des Bäckeranten zurückstufen und Fleischer mit Gammelfleisch in der Vitrine als Fleischeranten schmähen. Für den Fall, dass der eine oder andere Leser ebenfalls Erfahrungen mit der herabsetzenden Kraft der Nachsilbe "-ant" gemacht haben sollte, bitte ich um Nachricht.

Von Christoph Winder
Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
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