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Befindlichkeit

Kein Job für Weicheier

Herr R. L. hat sich am Sonntag "Offen gesagt" angesehen und mitgezählt: Binnen einer einzigen Stunde wurde bei dieser Politikerdebatte zum Thema "Große Koalition" die "Befindlichkeit" mindestens 30mal erwähnt: "Damit meint man offenbar in erster Linie die Unzulänglichkeit und die Launenhaftigkeit und die ,Sonderwünsche’ des anderen, manchmal aber auch eigene Abneigungen, die aber als ,unprofessionell’ angesehen werden."

Ich danke für den Hinweis und füge hinzu, dass ich das ähnlich sehe. Im Selbstverständnis der Politiker ist offenkundig für "Befindlichkeiten" kein Platz. Ein knallharter Profi kommt entweder überhaupt ohne dieselben aus oder stellt sie gefälligst hintan: Ist ja schließlich kein Job für Weicheier oder Warmduscher! Möglicherweise fällt ja auch den p.t. Lesern (oder, um es auf gut Politisch zu sagen, den "Menschen da draußen") etwas zu diesem inflationären Befindlichkeitsvorkommen im gegenwärtigen Polit-Diskurs ein.

Von Christoph Winder
Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
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