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Absenfen

Nicht nur zu den Frankfurtern

foto: standard/cremer
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Beim Senf ist es wie mit vielen anderen Dingen: Es kommt auf die Umstände an, ob er willkommen oder unpassend ist. Als Zutat zu einem Paar Frankfurter ist er nicht zu verachten (vor allem der scharfe englische Senf nicht). Wenn allerdings jemand glaubt, ständig seinen Senf zu einer Unterhaltung beisteuern zu müssen, dann kann es mühsam werden. In einem Standard-Posting bin ich vor kurzem auf eine (mir) neue Wortvariante für die alte Redewendung "seinen Senf dazugeben" gestoßen, nämlich das "absenfen" (ein paar Belegstellen aus Google: "Es wäre besser, wenn Du nicht meckernd absenfen würdest"; "Hier im Lovetalk könnte ich dauernd absenfen, weil ich Lust dazu habe.") Offenkundig wird das "absenfen" nicht immer als negativ empfunden, sondern neutral, im Sinne von "seine Meinung äußern".

Einige andere, weniger bekannte Senf-Formulierungen kennt das "Große Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten" von Lutz Röhrich: "Einen langen Senf über etwas machen" (viele unnütze Worte verlieren), "den Senf überzuckern" (etwas Unangenehmes in eine mildere Form bringen), "Mach keinen Senf!" (Spiele kein Theater), "dieser Senf steigt in die Nase" (der Spaß ist zu grob; er verursacht Ärger), "jemand wird durch den Senf gezogen" (bedeutet dasselbe wie "durch den Kakao gezogen").

Im journalistischen Jargon würde man übrigens nicht sagen, dass man einen Artikel für die Zeitung "abgesenft" hat, sondern "ablaichen" wäre der Ausdruck der Wahl ("Dazu hat der X schon eine Kolumne abgelaicht".).

Von Christoph Winder
Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at.
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