, Redaktion

Kann's nicht sein

Ein Satz in vielen Spielarten

Herr M. W. schreibt mir: "Lieber Herr Winder, soweit ich sehen konnte, gibt's noch keinen Wörterbucheintrag für die (seit ca. einem Jahr - oder schon länger?) um sich greifende Wendung 'Das kann's ja bitte nicht sein' in allen ihren Spielarten, z.B. 'Das kann's aber jetzt nicht sein...', 'Das kann's doch bitte nicht sein...', ,Des kauns owa bitte ned sei...’ usw.

Der große Vorteil des Satzes: er ist universell einsetzbar (denn das ,das’ kann für so gut wie alles stehen) und bringt in nur wenigen Worten große Entrüstung und Widerstandswillen zum Ausdruck. Sein Nachteil ist aber: Er ist vollkommen sinnfrei! Wie man ihn auch dreht und wendet, für sich allein ist er eine hilflose, traurige Gestalt, mehr Schein als Sein, quasi. Ich bitte sie daher, alles zu tun, was in ihrer Macht steht, um ihm den Garaus zu machen! Ich - und viele meiner Freunde - werden es Ihnen danken."

Herzlichen Dank für den Tipp – nur: sprachliche Mordaufträge kann der Chronist natürlich nicht entgegennehmen, ich will ja nicht mit dem Gesetz in Konflikt kommen. Ich leite den inkriminierten Satz aber gerne an die p.t. Leser weiter, auf dass sie uns vielleicht mitteilen, welche Erfahrungen sie mit dieser Floskel gemacht haben und ob sie sie ebenso verabscheuen wie Herr M.W.

Von Christoph Winder
Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at.
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