Am

20. Februar 2007, 17:28

Verwirrend am Schutzweg und anderswo

Frau S. R. schreibt mir: "Sehr geehrter Herr Winder! Als Westösterreicherin, die in Wien lebt, fällt mir die Verwendung des Wortes ,am’ für ,auf dem’ beinahe täglich auf. Als ostösterreichische Eigenart bereichert das ,am’ die Sprachvielfalt, aber es in den Medien zu hören oder zu lesen, geht mir zunehmend auf die Nerven, weil es grammatikalisch falsch und obendrein verwirrend ist. Wird ein Fußgänger ,am Schutzweg’ angefahren, befindet er sich in Wien bereits auf dem Zebrastreifen, während er nach hochdeutscher oder westösterreichischer Interpretation den Zebrastreifen noch nicht betreten hat.

Auch der Standard bleibt nicht verschont: ,Am Mars’ könnte es Wasser geben, lesen wir im Wissenschaftsteil. Ö3 verkündet in ganz Österreich, dass ,am Weg in die Arbeit’ Stau zu erwarten sei.

Als Vorarlberger verstehen Sie sicher, was ich meine. Es würde mich interessieren, was andere Leser von diesem ,am’ halten bzw. ob sie sich dieser sprachlichen Eigenheit überhaupt bewusst sind. Meine Recherchen unter Wienern stießen jedenfalls auf Unverständnis: ,am’ heiße doch eh auf dem, das erkenne man doch am Sinn der Aussage. Mit freundlichen Grüßen."

Ich leite das Anliegen von Frau S.R. gerne zur weiteren Bearbeitung an die Leser weiter.

Von Christoph Winder
Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at.