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Im Tiergarten

Eine rustikale Aufforderung

Unangenehm: Man sitzt in der Staatsoper, im Kino, im Parlament, kommt aber nicht dazu, sich zu konzentrieren, weil ständig das Publikum den Mund offen hat, tuschelt, zischelt oder raschelt. Was also tun? Der selige Nationalratspräsident Anton Benya gab bei einer solchen Gelegenheit einmal das Glockenzeichen und rief den Abgeordneten ein beherztes „Hoids di Goschn do unten!“ zu. In Staatsoper oder Kino würde sich vielleicht eher ein „Ruhe im Kuhstall!“ empfehlen. Von dieser grob-rustikalen Redensart hat der Chronist unlängst eine interessante Variante gehört, nämlich „Ruhe im Tiergarten!“ Daran knüpfe ich die Fragen a) ob dieser Spruch auch schon anderen Damen und Herren der werten Leserschaft einmal untergekommen ist, b) bei welcher Gelegenheit, an welchen Örtlichkeiten und von welchen Personen denn sie die „Ruhe im Kuhstall“ (oder im Tiergarten) einfordern bzw. c) welche Gefühlsreaktion es bei ihnen auslöst, wenn sie um „Ruhe im Kuhstall“ gebeten werden.

Von Christoph Winder
Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at.

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