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Das Rohr

Das richtige Wort am richtigen Ort

"Rohre verlegen" in der Kunst: Peter Kogler kleidete fast ein ganzes Gebäude 1997 bei der documenta x mit dem Geflecht aus.

foto: apa/werner maschmann
foto: apa/werner maschmann

Von Zeit zu Zeit lässt es sich nicht vermeiden, dass man in Gesellschaft über dritte und vierte Personen Bericht erstatten und dabei womöglich auch auf intimere Details über das Verhältnis, in dem diese Personen zueinander stehen, eingehen muss. So habe ich unlängst auf einer Party, bei der vor allem Leute aus dem Medien- und dem Politmilieu anwesend waren, vernommen, dass Herr X bei Frau Y "ein Rohr verlegt" habe.

Mir kam es so vor, als sei der Ausdruck "ein Rohr verlegen" für die Verwendung in diesem Milieu und in dieser Kommunikationssituation mit großer Stilsicherheit gewählt worden. In volkstümlicheren Kreisen würde man eher auf Klassiker wie "schustern" oder "pudern" oder "nageln" oder gar "biegen" zurückgreifen, während man in der Mittelklasse, die ja meist bemüht ist, auch sprachlich nicht anzuecken, lustlos-sterile Formulierungen wie "die haben etwas miteinander" oder "die haben ein Verhältnis miteinander" zu hören bekäme.

Von meinen Lesern nehme ich selbstverständlich an, dass sie über tadellose Manieren und ausreichend Etikette verfügen, um sich mühelos auf jedem Parkett bewegen zu können. Ich erwarte mir also einen ganzen Schwung von Hinweisen darauf, in welcher Gesellschaft welcher Ausdruck für den Geschlechtsverkehr der korrekt zu Verwendende ist.

Von Christoph Winder
Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at.

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