Der Muffel

12. Juni 2007, 17:04

Von mürrischem Naturell

Der Muffel verabscheut das, was vor ihm steht. Steht die Vorsorge vor ihm, fügt er sich also zu einem Vorsorgemuffel, dann verabscheut er die Vorsorge. Steht der Sex vor ihm, ist er ein Sexmuffel, wir haben es also mit einer Person zu tun, für die Sex (Pfui!) ein Gräuel ist.

Weitere häufig vorkommende Muffel aus dem großen menschlichen Muffelpanoptikum sind (neben denen, die die p.t. Leser in ihren Postings noch beisteuern werden) der Morgenmuffel, der Abendmuffel und der Krawattenmuffel, welcher durch eine Werbung in den 70er Jahren weitgehende Bekanntschaft erlangt hat. Zum Hauptwort Muffel, laut Duden auch ein "mürrischer, unfreundlicher Mensch", gehört das Adjektiv "muffelig", das ebenfalls "mürrisch, unfreundlich" bedeutet, aber auch "nach Muff riechend". "Muffeln" heißt "muffelig, übellaunig sein", aber auch "ständig mit vollem Mund essen"; über das niederdeutsche Verb "mopen" ist es mit dem Mops verwandt, einem Hund von bekannt grantigem Naturell.

"Muffeln (oder müffeln)" meint aber auch das, was der Wiener mit dem Wort "fäuln" umschreibt, nämlich "schlecht riechen" (siehe auch das Stichwort "Wiedehopf", unter dem diverse Stink-Synonyme nachzulesen sind). Möglicherweise gibt es ja den einen oder anderen Leser, der zu Muffel, Muff, muffeln und müffeln ein paar nette Assoziationen beisteuern kann. Mich interessiert auch die Frage, ob auch eine Frau ein Muffel sein kann oder ob diese Bezeichnung dem griesgrämigen männlichen Geschlecht vorbehalten ist.

Von Christoph Winder
Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at.