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Schoitl

Geistig minder talentiert

Mein Freund T., ein Mann von stark polemischem Naturell, hat unlängst gemeint, dass nur "Schoitln" die Bücher eines momentan populären Schriftstellers ernsthaft als Literatur bezeichnen würden. Mir ist erst eine Zeitlang nach diesem Gespräch aufgefallen, dass mein Verständnis des Wortes "Schoitl" zu wünschen übrig lässt: So wirklich präzise wüsste ich auch heute noch nicht darzulegen, was denn mit einem Schoitl gemeint sei. Bei einer kurzen Internet-Recherche stieß ich auf die lapidare Information, dass der Schoitl ein bloßes Synonym für den Trottel sei. Das war allerdings eine Auskunft, die mich auch nicht völlig befriedigt hat. Jeder linguistisch gebildete Mensch weiß, dass es so etwas wie völlig bedeutungsgleiche Wörter nicht gibt, und aus einer dunklen Ahnung heraus glaube ich zu wissen, dass der Schoitl eine Kombination von Eigenheiten und Merkmalen aufweist, die ihn eindeutig vom Trottel unterscheidet. Das Problem ist nur, dass ich nicht formulieren könnte, welches diese Merkmale eigentlich sind.

Wie immer, wenn ich in solche Verständnisschwierigkeiten gerate, wende ich mich an meine herzensguten Leser und bitte sie darum, ihre ganz persönliche Sprachkompetenz zu bemühen: Sind Schoitl und Trottel wirklich ein und dasselbe? Und wenn nein: Was ist denn das spezifisch Schoitlhafte und was das spezifisch Trottelhafte, das es uns erlaubt, den einen vom anderen zu unterscheiden? Dankbar bin ich natürlich auch für Hinweise auf sonstige Bezeichnungen, die der Volkmund für geistig minder talentierte Zeitgenossen parat hat. Und wer mir dann gar noch detailliert postet, was die Essenz von typischen Deppen, Hiasln, Idioten oder Kretins ausmacht, der bekommt einen besonders dicken Pluspunkt in Winders Wörterbuch gutgeschrieben.

Von Christoph Winder
Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at.

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