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Mörder

Sprachlicher Killerinstinkt

In den vergangenen Wochen haben wir uns mit den Wörtern "Kampf" und "Power" beschäftigt und sind zum Schluss gekommen, dass beide nicht nur ein isoliertes Dasein führen, sondern auch massenhaft und in unterschiedlichsten Wortkombinationen als Quasi-Vorsilben auftreten, als da wären die Kampflesbe, der Powerposter, die Kampfgelsen, der Powerschoitl usw. usf. "Kampf" und "Power" ähneln damit dem Mörder, der zwar wohl auch gern alleine auftritt, aber im Wienerischen (nur im Wienerischen?) auch zur Verstärkung anderer Substantive herangezogen werden kann.

Die "Marie" ist das Geld, aber wenn man für eine Ware eine "Mördermarie" hinlegen muss, dann heißt das, dass man sie sehr teuer, um sehr viel Geld bezahlt hat. Ein Schas ist ein Darmwind, aber ein Mörderschas unterscheidet durch seine olfaktorische und/oder auditive Beschaffenheit gewaltig vom gemeinen Wald- und Wiesenschas. Bemerkenswert: Das Wort "Mörder" kann nicht nur als Quasi-Vorsilbe fungieren, auch als Adjektiv tut es seinen Dienst. Sätze wie "Do fäults Mörder" ("Hier riecht es sehr schlecht") kann man in Ostösterreich durchaus vernehmen. Für den Fall, dass die p.t. Leser andere mördermäßige Assoziationen in petto haben sollten, bitte ich Sie, diese dem Publico mitzuteilen.

Von Christoph Winder
Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at.

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