Wirklich, oder was?

7. August 2007, 17:30

Liebenswert, wenn auch leicht lästig am Satzende

Herr C. B. schreibt mir: "Lieber Herr Winder, jetzt hab ich's von drei voneinander unabhängigen Mitmenschen gehört, also schick ich's Ihnen hiermit: ,Wirklich, oder was?’ Kennen Sie das? Diese Phrase benutzt eine gute Freundin als Replik auf fast jeden einzelnen Satz, den ich an sie richte.

(Erweiterte Version: ,Wie? Wirklich, oder was?’)

Modelldialog:

,Oje, ich bin müde, ich hab nicht gut geschlafen.’ ,Wirklich, oder was?’ ,Ja - ich weiß auch nicht, warum.’ ,Vielleicht wegen des Wetters.’ ,Naja, ich hab das eigentlich schon länger ...’ ,Wirklich, oder was?’ etc.

Beliebig fortsetzbar (Gemahnt ein bisschen an das verwandte, aber bewusst humoristisch eingesetzte: ,Weil warum?’).

Ich dachte bis vor kurzem, das wäre nur eine liebenswerte, wiewohl leicht lästige Marotte speziell von ihr. Jetzt hörte ich diese Worte aber bereits aus den Mündern zweier weiterer Zeitgenossen (wenn auch in geringerer Häufigkeit). Mich würde interessieren, ob nur ich das bin, dessen bloße Anwesenheit andere zu Phrasen verleitet - oder ob das ,Wirklich, oder was?’ von weiter Verbreitung (oder womöglich gar schon ,Kult’) ist, und ich weiß nur nix davon ..."

Dieses Anliegen leite ich gerne an die verehrte Leserschaft weiter. Persönlich kann ich dazu sagen, dass mir das legendäre xibergerische "Odr?" am Satzende natürlich wohl bekannt ist, "Wirklich, oder was?" habe ich noch nicht bewusst vernommen. Aber ich werde von nun an die Ohren spitzen.

Von Christoph Winder
Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at.