Morbus Freitag

7. August 2007, 17:30

Wenn der Doktor zynisch wird

Der deutsche Journalist und Mediziner Werner Bartens hat im Mai ein so genanntes "Ärztehasserbuch" publiziert, dessen Titel für meinen Geschmack ein bisschen gar plakativ ausgefallen ist. Aber es mag ja stimmen, dass sich manche zynische Doktoren wirklich in einer Art Geheimsprache, aus der Bartens in einem Anhang des Buches zitiert, abschätzig über ihre Patienten äußern.

So sollen Zahnärzte Patienten, die es mit der Mundhygiene nicht so genau nehmen, als "O.S." bezeichnen, als "Oralsau", und DDD steht für "Dick, doof, diabetisch", zur Charakterisierung von Zuckerkranken, die sich nicht an die Therapievorgaben halten.

Mit "Morbus Freitag" ist die Schwemme älterer Patienten zur Aufnahme am Freitagnachmittag gemeint, weil Angehörige oder Hausärzte die Betreuung am Wochenende nicht übernehmen können. Und "Morbus Wochenende" wiederum meint das erhöhte Sterblichkeitsrisiko an Samstagen und Sonntagen, weil dann viel weniger Ärzte in den Spitälern Dienst tun.

Möglicherweise fällt den p.t. Lesern ja noch der eine oder andere zusätzliche Morbus ein – gleichgültig ob er nun tatsächlich schon existiert, oder ob es sich um Neuerfindungen handelt, die zur Bezeichnung mancher noch nicht erfasster Krankheitsbilder nützlich sein könnten.

Von Christoph Winder
Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at.