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Nebengeräusche

Unüberhörbar und ökonomisch erfreulich

Ich nehme an, dass es den verehrten Lesern auch nicht anders geht als mir: Manche Metaphern hasse ich, aber manche liebe ich auch, ohne mir viele Gedanken darüber zu machen, warum denn dem so sei. Einen Ausdruck, den ich liebe, habe ich unlängst wieder einmal gehört: Die "Nebengeräusche". Ich meine hier nicht das überflüssige Surren der Computerfestplatte, das dubiose Motorenbrummen, den Specht in der Ferne oder gar den Tinnitus, sondern das Nebengeräusch im ökonomischen Sinne: "Mit Nebengeräuschen verdient der sicher seine 5.000 Euro". Das ist plastischer und sinnlicher als die öden "Bonuszahlungen" oder die "Fringe benefits", und interessant noch dazu: Weil es zwar jede Menge anderer geldbezogener Metaphern gibt – Knete, Kies, Steine, Knödel, Gerstl, Kohle, Marie etc. –, aber keine aus dem akustischen Bereich, wenigstens keine, die mir bekannt sind.

Seit wann die "Nebengeräusche" auf diese Art verwendet werden, weiß ich leider nicht – aber vielleicht weiß der eine oder andere Leser mehr oder kann uns erzählen, was für sie oder ihn persönlich die klassischen finanziellen oder sonstigen Zuwendungen sind, welche in die Kategorie der "Nebengeräusche" gehören.

Von Christoph Winder
Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at.
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