, Redaktion

Krawaffel

Verblüffung in der Redaktion

Ich hoffe, dass ich Ihnen jetzt kein Betriebsgeheimnis verrate, aber im "Standard" gibt es eine Kollegin, welche das Eintreffen von besonders verblüffenden Agenturmeldungen mit dem Überraschungsruf "Krawaffel!" zu kommentieren pflegt. Ob "Krawaffel!" eine bloße Privatformulierung oder ob sie in weiteren Gesellschaftskreisen in Gebrauch ist, habe ich nie ermitteln können; aber ich mache keinen Hehl daraus, dass ich "Krawaffel!" seines schillernden lautlichen und semantischen Andeutungsreichtums wegen für eine gelungene Wortbildung halte. Neben der "Waffel" und dem "Krawall" schwingt darin auch eine klassische Formel aus dem Milieu des Kasperltheaters mit ("Krawuzikapuzi!"), aber selbst gelinde Assoziationen an stärkeren verbalen Tobak ("Kruzifix!", "Kruzitürken!") werden bei "Krawaffel!" wach.

An die Vorstellung dieses Wortes möchte ich die generelle Bemerkung knüpfen, dass stilbewusste Menschen natürlich nicht nur bei der Wahl ihrer Kleidung oder ihrer Nahrung wählerisch sein sollten, sondern auch bei der Wahl der Worte, mit denen sie ihre Überraschung ausdrücken. Es muss nicht immer ein "I maan I traam!", ein "Do schau her!" oder ein "Do legst di nieder!" sein, sondern man könnte ruhig auch einmal "Lecko-o-mio", "Morbleu!" oder "By Jove!" sagen. Möglicherweise können uns die p. t. Leser ja sogar noch darüber hinausgehend inspirieren und uns verraten, was denn sie im Falle einer plötzlich eintretenden Verblüffung aus ihren Wortschatztruhen hervorkramen (Danke an Herrn Adolf Ogi für den Hinweis auf "Leck-o-mio").

Von Christoph Winder
Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at.

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