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Draufsatteln

Darf es ein bisschen mehr sein?

Ein Wort, das ich nicht immer, aber immer öfter im deutschen Feuilleton lese – als Synonym für "dazugeben", "steigern", "vermehren". Es existiert in den Varianten "draufsatteln" (ohne weitere Ergänzung) bzw. "eins draufsatteln" (mit der hinterfragenswerten Ergänzung "eins": Was wohl damit gemeint sein mag?). Beispiele aus dem Internetz: "Wir dürfen bei der Arbeitsmarktreform nicht den Eindruck erwecken, dass wir auf Hartz IV noch draufsatteln". "Eine Fachschulausbildung gab es an der Tourismusakademie an der Rungestraße bereits. Jetzt können die Studenten noch den Hochschulabschluss draufsatteln."

Nicht ganz bedeutungsgleich, aber ziemlich verbreitet ist das Wort "toppen": Robert Sedlaczek hat in seinem soeben erschienenen "Kleinen Handbuch der bedrohten Wörter Österreichs" (Ueberreuter) den konkurrierenden deutschen Ausdruck "übertreffen" gar schon auf die rote Liste gesetzt – so sehr setze ihm "toppen" im gegenwärtigen Alltagsdiskurs mittlerweile zu. Für den Fall, dass die p. t. Leser zum Thema "übertreffen", "toppen", "steigern" etc. eine Wortspende in petto haben sollten: Ich bitte darum.

Von Christoph Winder
Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at.
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