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Weibergemüse

Ein Missgriff des Starkochs

foto: photodisc
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Na aber hallo, Herr Starkoch Mälzer! Was muss ich da in "Format" lesen? Dass sie den Brokkoli despektierlich als "Weibergemüse" abtun? Dazu möchte ich Ihnen in aller Klarheit mitteilen, dass a) auch ich, wiewohl Mann, mir gerne von Zeit zu Zeit einen Brokkoli reinpfeife und b) dies auch weiterhin zu tun gedenke, ohne mir deswegen von Ihnen ein effeminiertes Essverhalten vorwerfen lassen zu müssen. Außerdem ist es, mit Verlaub, ein großer Schmarren, jetzt auch noch die Welt der Gemüse, jener harmlosen vegetabilen Wesen, zu einem Exerzierfeld des Geschlechterkampfes zu machen.

Und: Wieso sollte gerade der Brokkoli ein "Weibergemüse" (das Wort haben Sie erfunden!) sein, nicht aber der Paprika, der Porree? Und was ist dann ein "Männergemüse", Herr Mälzer? Und kommen Sie mir bitte nicht mit schlechten Witzen über Gemüse von phallusförmigem äußerem Anschein! Erbsen, Melanzani, Karotten, Kraut und Rüben: Ich nehme an, dass auch meine Leser Ihnen einiges zu den Stichworten Weibergemüse"/"Männergemüse" mitzuteilen haben werden. (Christoph Winder, derStandard.at/11.12.2007)

Von Christoph Winder
Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at.

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