, Redaktion

Bitte

Vulgarität im Ausland

Das Wort "Bitte" kennen Sie als höflicher Mensch natürlich seit ewigen Zeiten, und Sie werden sich daher mit Recht fragen, was es in diesem Wörterbuch zu suchen hat. Die Erklärung ist aber die: In der vergangenen Woche haben mehrere Poster darauf hingewiesen, dass das unverfängliche deutsche Wort "hui" im Russischen und Ukrainischen eine heftige obszöne Bedeutung habe, weswegen es sich nicht empfehle, Russen und Ukrainer mit "hui" anzusprechen.

Das Phänomen des inländischen Wortes, das in ausländischen Ohren einen vulgären Sinn annimmt, ist ja weithin bekannt: Was haben wir uns doch, Kindsköpfe die wir waren, in den unteren Gymnasialklassen über das englische Wort "foot" amüsiert! Umgekehrt konnte ich mich während eines längeren Frankreichaufenthaltes, als ich junge Franzosen in Deutsch unterrichtete, jedes Mal auf eine Lachsalve gefasst machen, wenn ich das deutsche Wort "bitte" aussprach, und zwar deshalb, weil "la bite" auf Französisch ein vulgärer Ausdruck für das männliche Geschlechtsorgan ist und im Deutschen sinngemäß mit "Schwanz" oder ähnlich zu übersetzen wäre. Bitte also in Frankreich mit "Bitte" sorgsam umzugehen! Ich könnte mir ja durchaus vorstellen, dass meine polyglotten Leser auch die eine oder andere Anekdote aus ihrem Geschichtenschatzkästlein zu diesem Thema beizusteuern haben.

Von Christoph Winder
Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at.
Mehr zum Thema Winders Wörterbuch zur Gegenwart